Donnerstag, 15. Juni 2017

Zur allgemeinen (Wohnungs-)Lage:

Nein, ich korrigiere: Plage. 
Die allgemein hingenommen und gleichzeitig allgemein verabscheut wird. Und meine persönliche (höchst dramatische!) Story dazu. 

Ich stehe in einem Kellerloch, das nach Kellerloch riecht und frage, wie es denn so mit Schimmel sei. Kein Problem, bekomme ich als Antwort. So lange man nur alle Möbel einen halben Meter von der Wand abrücken würde. Ich betrachte argwöhnisch den Raum und stelle fest: alle Möbel befinden sich eigentlich in der Mitte des Zimmers. So lange man nur genug heizen und genug lüften würde. Man gewöhnt sich ja immer schnell an Alles, sage ich nüchtern und betrachte den Schlauch an Wohnung. Immerhin gibt es eine Küche, immerhin passt ins Schlafzimmer ein Bett. Immerhin. Alles keine Selbstverständlichkeit, alles schon gesehen. Ich erzähle dem im Grunde recht netten Typ von der Wohnung mit Schlafzimmer, in der kein Bett der Welt gepasst hat. Wir schimpfen eine Weile über die allgemeine Wohnungsplage. Dann verabschiede ich mich und trete – durch eine doppelte Pressspantür - aus dem Kellerloch in den tatsächlichen Fahrradkeller. Ich stolpere die Treppe hoch und atme erst einmal durch.

Nach fünf Wohnungsbesichtigungen fühle ich mich als bräuchte ich erst einmal eine Woche Spa-Urlaub und Asthmaspray. Bisher hatte ich wohl einfach immer ziemliches Glück gehabt und schnell ein WG-Zimmer gefunden. Klar, ich bezahle gerade auch nicht gerade wenig für meine schicken zwei Zimmer in meiner 150qm Altbau-WG. Klar, ich bin verwöhnt, in jeder Hinsicht. Und dennoch sehe ich nicht ein, in eine Zweizimmer-Schimmelbude zu ziehen! Und das für 700€ Warm.

Wohnungsbesichtigung Nummer neun, ich bin fünf Minuten zu früh, die Wohnung ist wieder Paterre. Ein ganz schlechtes Omen. Das „zweite Zimmer“ welches ich soeben betreten habe, ist in Wirklichkeit eine kleine dunkle Küche. Kann man ja so oder so verstehen, gibt der Vermieter mir ein wenig kleinlaut zu verstehen. Im anderen Zimmer gibt es nicht mal ein Fenster. Kein Keller, kein Balkon, kein Garten, kein Bad mit Fenster. Ich sage freundlich, dass ich mich besprechen und dann wieder melden werde. Ich schätze jedoch mein leicht säuerliches Gesicht hat bereits allen Beteiligten klar gemacht, dass ich lieber zu meinen Eltern in den Garten ziehe, als in diese fensterlose Miniaturbude. Dennoch lasse ich mich breit schlagen, mir auch noch nen Ort für die Waschmaschinen zu zeigen. Eigentlich das Beste an der ganzen Wohnung! Denn so sehe ich wenigstens noch nen wahrscheinlich mehrere Jahrhundert alten Gewölbekeller. Interessant ist es schon, murmele ich, während der Vermieter mich leicht ungläubig an sieht.

Nach zehn Wohnungsbesichtungen bin ich nur noch frustriert. Bisher haben wir nur zwei Wohnungen überhaupt zugesagt und warten seit dem im Hold-Modus auf Resonanz der Vermieter. Insgeheim haben wir beide Wohnungen schon komplett eingerichtet, wieder ausgeräumt und umgestaltet. Theoretisch habe ich bereits den jeweils passenden Tisch bei Ebay Kleinanzeigen gekauft, praktisch habe ich jede Nacht von der Plage geträumt. Inzwischen halte ich alles für verhextes Schicksal und entweder für ein großes, sehr ungerechtes Unglück, für eine Bestrafung oder für schlechtes Karma. Natürlich ist das völlig überzogen und angesichts der Weltlage völlig unangebracht, aber so ist es nun mal. Ich verzweifle aus folgenden Gründen: der Tatsache, dass ich andauernd mit meiner Zukunft und den dazugehörigen sehr realen Ängsten konfrontiert bin. Dass ich andauernd beweisen muss, warum ich die Richtige für diese bescheuerte Wohnung sein soll. Was die „richtige“ Wohnung für mich ist. Wie ich mich präsentieren muss, um die „richtige“ Wohnung zu bekommen. Wann ich was wie weglassen und was ich wie wann erwähnen sollte. Was für Rechte und welche Pflichten ich habe wenn ich einziehen darf. Die ganze Abhängigkeitsscheisse eben. Wie viele Kompromisse ertragbar und wie viel Raum nötig ist. Wie viel Platz ausreicht. Dazu kommt, dass nicht nur ich entscheide, sondern wir. Wir sind ganz neu in diesem Metier. Aber, wir sind ja stark. Donnerstag um halb neun flattert dann ein Mietvertrag rein.  Einfach so, zack, hängt er als Attachment in der Mail. Ganz ohne Vorwarnung, ganz ohne Schnickschnack. Im Kopf waren wir längst wieder raus, wo anders, in Gedanken, bei Alternativen und im ständigen Such-Rausch.Nach zerissenen Gefühlen, ambivalenzen Tendenzen, einer Pro- und Kontra-Liste (ich hätte Niemals gedacht wie spießig ich geworden bin) und ein paar Pseudobesichtigungen haben wir zugesagt. Ohne das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, aber mit dem Gefühl, keine Energie mehr für die Suche nach dem "Richtigen“ aufbringen zu können. Uns dem Wohnungsmarkt zu opfern, wie alle anderen auch. Im Rahmen der Möglichkeiten und so, dass unsere Ansprüche einer zentralen Wohnung erfüllt sind. Wenn also alles gut geht, haben wir also bald eine kleine gemeinsame Wohnung. Zwei Zimmer, Küche, Bad und ein kleiner Balkon. Genauso wie AnnenMayKantereit und ich es mir gewünscht hatten. Nur eben kein Altbau, nur eben Plattenbau. Grau und hässlich- jedenfalls von Außen betrachtet. Wir werden es liebevoll ‚die graue Platte’ nennen. Und wie gesagt, man gewöhnt sich ja an alles sehr schnell.
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Happy End der Story und (fast so) grün: unser 5qm2 Balkonien!
Eigentlich wollte ich den Eintrag längst posten, hab es aber vergessen, verdrängt oder mich vielleicht nicht getraut. Drei Monate später kann ich sagen: Die graue Platte (die ich nie mehr als solche - sondern höchstens als Bettonklotz oder Bunker - bezeichne) und ich sind gute Freunde geworden. Um uns herum ist inzwischen ein tropischer Regenwald gewachsen, auf dem Balkon luken die Tomaten inzwischen über die Ballustrade und Fangen (im Kreis!) kann man auch ganz wunderbar spielen.

Montag, 27. Februar 2017

Don't mess with me or my Jutebeutel!


Du spürst diese unbeschreibbare Wut im Bauch, von der du bisher nur vom Hörensagen gehört hattest. Du schüttelst zwar immer wieder deinen Körper, so als könntest du die Plage noch von dir weisen, aber du bist eben kein verfickter Neoprenanzug. Du bist auch kein Roboter oder eine grummelige Katze, die mal eben abhaut wenn ihr alles zuviel wird und erst dann wieder auftaucht wenn sie hungrig ist. Dein Bauch knurrt bereits und du bist auch nur jemand, der an der Ampel steht und angestarrt wird. Die Wut kriecht dir am Kinn hoch, direkt in deine Stirnfalten hinein. Sie hat keinen Namen, kein Gesicht, sie taucht auf wie ein kleiner Orkan und kribbelt ein wenig im linken Knie. Neben dir lehnt eine Frau auf einem schwarzen Fahrrad und verzieht das Gesicht. Was ist los? Denkst du. Du bist auf Krawall gebürstet. Du denkst, heute ist der Tag, an dem dir Mayonnaise auf der Nasenspitze hängt und niemand dir davon auch nur ein Sterbenswörtchen berichten wird. Du denkst, heute wirst du für deine bloße Existenz angemacht. Entscheidungen werden sich zu Fehlschlägen entwickeln, die dir noch dein ganzes Leben nachhängen werden. Der wild gewordene Orkan wirbelt dir durchs Haar und lässt dich – wie ganz aus versehen – eine Haarsträhnen inhalieren, so dass du denkst, du könntest ersticken. Du hustet kurz. Die Frau starrt dich weiter an. Was zum Teufel ist los? Du drehst dich etwas weg, nur um dich umso schneller wieder umzudrehen und diese Erscheinung ebenfalls abfällig zu mustern. Sie sieht weder alkoholisiert, noch verwahrlost, noch irgendwie besonders aus, außer vielleicht, dass sie eine übertrieben sportlich wirkende Sonnenbrille -bei fast bis gar keiner Sonneneinstrahlung- trägt. Sie schaut genauso herablassend wie du sie kennen gelernt hast und murmelt kaum hörbar und doch deutlich „Ich glaube nicht, dass DU weißt, was Surrealismus bedeutet“. WAS IST LOS? Du schnappst hörbar –viel zu laut- nach Luft. Presst deinen neu erstandenen Surrealism-Dali-Beutel wie ein Schutzschild vor allem Bösen an deinen Körper und hältst ihn ganz fest. Das Ding hatte 5,99€ gekostet. Dali ist dort -ein bisschen verfremdet -und mit einem überdimensionalen Phallussymbol als Nase ausgestattet abgebildet. Jedenfalls hatte dein Prof. dich direkt daraufhin gewiesen. Er hatte dich deshalb extra wieder in die Bar zurück zitiert. Schon damals beschlich dich das ungute Gefühl, hier wolle dir jemand deinen Beutel schlecht machen, aber du hattest dich, nach einem kurzen Moment der Empörung, wieder besonnen. Jeder Mensch brauch mal einen Jutebeutel, hattest du dir gesagt. Und noch einen und noch einen. Still und heimlich und nach mehrmaligen herum schleichen hattest du dich im Reina Sofia dafür entschieden. Du magst ja auch manche Dali-Werke und Surrealismus ist immerhin kein Fremdwort für dich, hattest du dir eingeredet. Auch wenn du kurz überlegt hattest lieber den Picasso oder Frida Kahlo Beutel zu nehmen. Oder alle. Aber dann fandest du die Dali-Darstellung irgendwie am Lustigsten. Und jetzt blätterte die ganze Fassade! Wildfremde Menschen beleidigten dich an Ampeln, hielten dich für unkultiviert, dumm und unüberlegt. Du bist zu einer Salzsäule erstarrt und der Orkan tobt einmal durch deine Eingeweide, während die Frau um die Fünfzig dir eine dämliche Grimasse hinhält, die vermutlich so etwas wie „Ätsch“ ausdrücken soll. Vielleicht kommt sie gerade vom Fasching, hoffst du. Oder es liegt an deiner Spange im Haar und weil du aussiehst wie zwölf. Dein Auge zuckt nervös, aber du bist unfähig etwas zu sagen. Du kannst es nicht fassen, aber die Dame im Radio hatte es bereits heute morgen angekündigt. „Skorpion: Überlegen sie gut ob sie heute vor die Tür gehen und wenn, machen sie sich auf Einiges gefasst.“ Hatte sie völlig lustlos nach der Waage getönt und du hattest nur mit den Augen gerollt. 



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Post-Exkursions-Traumata haben es in sich.

Montag, 30. Januar 2017

I call it a nonsense-poetry-expierence

   
Wir ziehen an Haaren so, als gäbe es etwas, was irritieren könne. 
Blauwale und Trinksprüche. 
Müde Gedanken und Lebenssinn.
Warten auf Erlösung und den richtigen Moment.
Spalten und teilen.
Die Parallelwelt. Nicht unsere.
Dissoziieren. 
 
Mut zur Distanzlosigkeit.
Wir liegen umschlungen.
Wie Ying und Yang in einem Reagenzglas.
Wie Bonny und Clide im Fegefeuer.
Wie Hungernde im Schlaraffenland.
Wie Milch in Backhofen.
Spielen wir Leben. 


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Vorhaben für dieses: auch sowas darf sein. Mein Blog, meine Experimente. Januar in einigen Worten: zäh, zaghaft, kalt, schwach und ganz schön launig. Vorsichtiger Optimismus was Februar angeht. Vorsicht vor der Wildkatze!

Dienstag, 10. Januar 2017

Ausnahmezustand im Primatengehege?


Nach langer Abwesenheit starte ich meinen Blog ins neue Jahr auf gewohnt überfordernde Art und Weise, mit genauso vielen Rechtschreibfehlern wie sonst (aber in Arial) und natürliche einer großen Portion viraler Hartnäckigkeit und leicht pessimistischer Verstimmung. Meine heutige gesellschaftskritische Überlegung/ Frage: sind wir* ein Haufen seelenloser Primaten gefangen in einem Zoo aus Möglichkeiten? So weit so leicht beantwortbar (aha). Natürlich brauchen wir (unbedingt) erst einmal ein kleinen Abriss mit eingespickten Gesellschaftsdiagnosen. Denn ohne die genauen sowie generellen Umstände kann wohl niemand zu einem Urteil kommen (ha, what?). 
Zum einen haben wir Handlungsspielraum en masse. Haben die Möglichkeit unser Selbst in Anlehnung an unsere perfektionistischen und Konsum-orientierten Vorstellungen zu modifizieren. Angepasst an ein Ideal, das eine grenzenlose Optimierung des eigenen Kapitals verspricht. Ganz nach dem Motto: alles was ne Macke hat, wird direkt umgetauscht. Der Anschiss dafür geht auch direkt an den Produzenten; die vietnamesische Näherin, die gerade einen Lungenentzündung verschmerzen muss und deshalb unachtsam war, nicht an die Komsumierende, deren BH ein Loch ins Fünf Euro T-Shirt gerissen hat. Umso länger die Produktionskette umso länger die Liste der Verantwortlichen umso länger die Möglichkeiten der Ausbeutung. Wir sind gierige, verwirrte Seelen, die in einem T-Shirt eine mögliche Bedürfnisbefriedigung sehen, in einem gutes Essen, aber so etwas wie einen potentiellen Feind. Es könnte das T-Shirt sprengen und wir wären verantwortlich. Überhaupt, wir sind ungern verantwortlich.
Wir haben weitere Objekte mit denen wir uns viel beschäftigen, die eigentlich wir selbst sind. Wir sind Körper besessen bei gleichzeitiger Körperlosigkeit.  Oft haben wir das Gefühl, es existiere nur noch Geist in einer theoretischen Hülle, die funktionieren muss. Nämlich alles abwehrt was krank macht und alles rein lässt was gut ist. Uns weiter arbeiten lässt, uns schöner macht, weniger sterben lässt. Klar, wir wissen alle, sterben werden wir so oder so, aber die Chance es besonders richtig oder falsch zu treffen, zeichnet sich in allen Lebenslagen deutlich ab. Auch das Sterben an sich sollte wohl geplant und überlegt sein. Alles ausschöpfen, alles mitnehmen, aber nur das Wichtige. Scheitern, langweilen, einfach so da sein, irritiert da nur. Natürlich haben wir Momente der Selbsterkenntnis und sehen plötzlich alles ganz klar, aber wir wollen auch auf nichts verzichten, wollen nicht einsam, sondern geliebt werden. Ob von Großkonzernen, Versicherungen oder der Heilpraktikerin. Wir möchten am Ende doch nur verstanden werden. Wir möchten gestreichelt werden und gesagt bekommen, dass wir natürlich alles richtig gemacht haben. Wir möchten hören, dass es ok ist, freiwillig in einem Käfig zu sitzen und per Lieferdienst alles ins Gehege geschmissen zu bekommen. Der Käfig ist ja voller Sachen! Voller ähnlicher Versprechen. Du wirst nicht krank! Du wirst schön! Du wirst ein bisschen perfekter, schlauer und tüchtiger. Vielleicht wirst du sogar eine Arbeit bekommen, reich oder zumindest keiner von denen, die es am Ende nicht geschafft haben und die sind, die du unter den Brücken liegen siehst. In jedem Versprechen schwingt eine leichte Drohung. Mit jeder Drohung wirst du dir sicherer, dass alles richtig ist. Das die Welt auch aus einem Käfig aus betrachtet wunderschön sein kann.
Wir als Arbeits-Primaten sind von Produktion und Leistung fasziniert und finden, dass alle die hier drin hocken auch bitteschön mit machen sollen. Das alle die unzufrieden sind, ja auch bitte gehen können. Überhaupt, was soll die Diskussion; wer hier leben will, der muss arbeiten. Wer hier arbeiten will, soll sich benehmen. Und wehe wenn nicht. Ja das kennen wir schon, dann kommt ganz schnell wieder die Brücken-Drohung. Oder die Harz4-Angst oder die Angst vor dem Tod oder alles vermischt. Die Angst vor der Angst ist sowieso gern dabei.

Eine andere Baustelle ist die Angst davor, andere könnten einem was wegnehmen. Denn wer weiß, irgendwann sind die Sachen im Käfig alle in Besitz. Und irgendwann hat der Käfig ja schließlich auch seine Enden, denn sonst wäre es ja kein Käfig. Platz ist nur so lange für alle da, so lange alle nach dem gleichen Heilsversprechen streben. Reicht es einigen Primaten einfach einen Platz zu haben, reicht das nicht der Primaten-Gemeinschaft. Ausfälle können kostenspielig werden und das System stürzen. Das System, davon wird geredet als sei es Voldemort. So, als dürfte man seinen Namen nicht nennen und als würde dieses suspekte Subjekt dennoch genügend Macht ausstrahlen um alle voranzutreiben. Ein Systemfehler könnte man auf Meta-Ebene spekulieren. Das System selbst habe sich dissoziiert, depersonalisiert und dann gespalten. In ein neu geschaffenes Subjekt, mit dem niemand was zu tun haben will, aber dennoch über allem steht. „Hallo, wir sind das System.“ Niemand will das hören! Stattdessen; Verdrängung, Verschiebung und Somatisierung wo hin man nur blickt. Natürlich, ist auch gut so, denn sonst würden ja alle ausrasten.

Und was wäre dann los? Ein Primaten-Theater ohne Frage. Das Gehege würde möglicherweise nieder gestampft, die Wassergräben überwunden. Vielleicht gäbe es auch Kriege mit anderen wildgewordenen Spezies. Mit neuen Feindbildern und Optionen, die diesmal keine Grenzen kennen. Vielleicht wäre dann alles anders, vielleicht würden sich aber auch alle bloß ein neues Gehege suchen. Mit mehr Auslauf und schöneren Pflanzen, aber den gleichen Mauern.


Soviel zu meinem Neujahrsabriss, der sich aus der Vorahnung, 2017 könnte anstrengend werden und dem Gefühl, es könnte sich einiges verändern, zusammen setzt und einiges durcheinander und zusammen wirft. Aber egal, ich fange dort an wo ich stehe und schreibe es mir vom Leib durch die Seele. Was man eben so an langweiligen Abenden im Käfig macht. 


*Mit wir als generalisiertes Gesellschaftsgefühl gemeint, ist klar ne. Aus einem Ich-Gefühl wird hier also schnell ein Wir-Gefühl und alle fühlen sich spontan angesprochen.

Montag, 3. Oktober 2016

(wake me up) when semptember ends...




Wenn vom Urlaub nur noch Stirnpickel und braune Füße übrig geblieben-, alle Hausarbeiten längst eingetütet sind und sich um kurz nach sieben der Himmel bläulich-rot verfärbt. Wenn sich leise Zweifel wie ein vorübergehender Schleier über die Stirn legen und erste Blätter am Schuh hängen bleiben. Wenn Serien weitergehen und man sehnsüchtig auf die ersten Pilze wartet, während man mittags manchmal draußen sitzt und die Haut immernoch salzig schmeckt, obwohl es doch schon bald wieder Weihnachten ist. Wenn man endlich Zeit für alle Dinge, die man so lange aufgeschoben, hat und immernoch keine Lust verspürt sie auszuführen.

Ein Klingeln im Kopf unterspricht meinen Gedankenschwall. Aus dem Klingeln wird ein existentielles Schmerzgefühl, dass sich so anfühlt, als würde man mein Gehirn mit einem Baseballschläger maltretieren und anschließend in einen Mixer stecken. Ich kotze nicht, aber bin kurz davor aus dem Fenster zu springen. Dort wo gerade noch der romantisch rote Himmel war ist jetzt schwarze Nacht. Ein paar Sterne blitzen provozierend auf. Aber ich halte auch gerade alles für reine Provokation. Auf meiner Stirn türmen sich Eisberge, auf meinen Augen liegt ein milchiger Film. Es schmeckt nach Gefrierfach und Sonnencreme. 

Das Klingeln wird zum Jucken wird wieder zum Milchfilm. September Transformationen die sich mit dem Prä-November-Blues vermischen und eine krisselige Mischung geben, vielleicht vergleichbar mit abgelaufenen Brausepulver. Nichts Neues, aber jedes Mal überraschend. 


(Achtung: evtl. neue Kategorie im Anmarsch) Erkenntnisse des Sommers 2016 (in alphabetischer -und mit falschen Doppelpunkten- bespickte Reihenfolge):

x Allgäu: gerne wieder (dann aber mit dichtem Zelt oder Luxus-Van?!)
x Bafög (-Ende): es wird Zeit sich (noch) einen Job zu suchen/ sich einen besseren Job zu suchen/ sich von Spaghetti zu ernähren/ sich umzuorientieren/ sich zu arrangieren / sich zu prostitutieren 
x Chaos: im Kopf
x Dreißig: wurden viele Menschen diesen Sommer
x Einführung in die Ethnologie: besser spät belesen, als gar nicht.
x Forest: und sein Sound in Südhessen
x Grüner Daumen: stolz auf drei überlebende und bis heute tragende Tomatenplanzen
x Hörbücher: sind besser als ihr Ruf (oder viel mehr den Ruf, den ich ihnen unterstellte!)
x Innere Aufregung: vor den Hochzeit die ich fotografiert habe
x Juli Zeh: "Unterleuten" !!
x Kein schönes Unterfangen: Autos mieten in Portugal
x Lesen: am Strand am Schönsten!
x Mantra: Don't Panic (wenn möglich).
x Nein Danke: Lebensmittelmotten
x Ohne Ende: nette Worte und Glückmomente in kleinen Häppchen   
x Pläne: Reisen, Haus renovieren, Garten beplanzen, Wände einreißen, Kuchen backen lernen, Aufgaben finden, im Zweifelsfall immer: ein Buch schreiben. 
x Quit: Panik/Zweifel/Zigaretten
x Reizlose Tätigkeit: Hausarbeiten schreiben in der semesterfreien Zeit
x Salzgehalt: von in Salz eingelegtem Bacelhau
x "Toni Erdman": sehenswerter Film
x Versuche: dich nicht immer zu unterschätzen.  
x Wunderschön: Portugal im September
x X-Mal: den Rücken einknacken lassen und trotzdem verspannt sein 
x Yeah, Yin Yoga
x Zeit: fliegt, stagniert, betrügt. 

alles in allem: ein schöner Sommer. x Und jetzt: Aufwachen und weiter machen!  

Dienstag, 14. Juni 2016

Savasana

- oder auch die Leichenstellung, wie Yogawiki mir gerade verraten hat. Dabei dachte ich es ginge einfach um bloße Entspannung. Von Todsein war nie die Rede. In dieser "Stellung" liegst du jedenfalls auf dem Rücken, Beine hüpftbreit geöffnet, Arme ein paar Zentimenter vom Körper entfernt liegend, Handflächen nach oben, damit dort neue Energie herein fließen kann. Also in dich rein. Ansonsten tust du nichts. Liegst da und machst nebenbei auch noch Yoga. Perfekt also. Heute verbringe ich den Tag so. 


Ich bin mal so frei:  lasse meine Pickel am Kinn sprießen, lasse meine Füße einschlafen (wie bitte ist das in dieser Position überhaupt möglich?). Kümmere mich nicht um Flusen und Hausstaub, späte Pollen, nicht um die Krümmung meiner Wirbelsäule und Geld verdienen sowieso nicht. Nicht um tote Balkonplanzen, nicht um Texte zur Authentizität (schon wieder, nur anders!). Ich würde drauf scheißen, würde ich nicht gerade in Shawasama liegen. Irgenwie nicht in dieser Welt und doch irgendwie ganz da. Meine Chakren scheinen sich schon von ganz alleine zu öffnen, dafür muss ich nicht mal irgendwo hinatmen. Auf meine To-do-Liste blinken vor sich hin und erinnern sich gegenseitig, dass sie meine Aufmerksamkeit wollen, während ich nur mal kurz die Augen öffne. Danke nein! Sie werden nicht davon laufen, die wichtigen Dinge, die ich mir in meinem vorherigen Aktionismus so eifrig ins Iphone tippte. Im Gegenteil; sie werden einfach immer so weiter blinken. Auch meine Zehnen profitieren von meiner Totenstille, sie haben genug geschlafen und wachen jetzt einfach wieder auf. Wertfrei beobachten, denke ich, aber freue mich natürlich insgeheim wie eine Schneekönigin. Mein Puls hat sich beruhigt, meine Wirbelsäule wirkt plötzlich geschmeidig und auch meine Pickel scheinen ptzlich weniger ekelhaft. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, Yoga hat mir den Tag gerettet! Auch wenn ich nach ein paar Minuten in Savasana wieder aufgestanden bin und mich an meine To-do-Liste gesetzt habe.


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heute schreibt der verdrehte Yogini in mir. Geht runter wie ein breiig, aber gesunder Detoxsmoothie mit Zwiebeln und Salat (hui!).

Mittwoch, 18. Mai 2016

Von Wurfzelten und Brennöfen


Ein Plädoyer fürs Ausprobieren (oder mal wieder ein narzistischer Text über den Lebensinn):

„Ich bin kein verdammtes Töpfergut.“ Mit diesem Gedanken und tiefen, hässlichen Sorgenfurchen laufe ich umher und hasse die Welt. Oder viel eher mich. Oder alle Anderen. Ich habe mich noch nicht entschieden. Wie immer. Der Höhepunkt meiner schlechten Laune war vor gut dreißig Minuten als meine Kollegin mal wieder von mir wissen wollte, was ich denn meinem Leben anfangen wolle. Was ich werden wolle. Was ich arbeiten wolle. Wie ich leben wolle. Mit sechsundzwanzig. Sie schreibt gerade ihre Doktorarbeit und hat ein geregeltes Leben mit geregelter Arbeit. Viele haben ein geregeltes Leben mit sechsundzwanzig, das ist nicht verwerflich. Sie wusste als sie diesen Job anfing, dass sie jetzt ihre Doktorarbeit schreiben würde. Sie wusste, dass gehört dazu wie alles andere. „so wie wenn du einen Töpferkurs belegst und dann deine Sachen in den Brennofen tust.“ So selbstverständlich war es für sie. Ich habe gerade mein zweites Studium abgebrochen und mein insgesamt viertes Studium begonnen. Ich versuche mit verschiedenen Jobs über Wasser zuhalten, damit ich irgendwann einen Abschluss habe von dem ich nicht weiß ob er mir andere Optionen ermöglicht als eben genau diese Nebenjobs. Unser Gespräch kann nicht funktionieren. Wir verstehen uns heute nicht. Völlig in Rage erzähle ich meiner Mitbewohnerin davon. Aber auch sie versteht mich heute nicht. Sie wusste nach dem Abi dass sie Lehrerin werden will. Sie macht Nebenjobs um dann Lehrerin zu sein. So wie sie es wollte. Ich wusste, dass ich nach dem Abi studieren will, also studierte ich. Sechs Jahre ist das her. Um mein Leben (mit zu) finanzieren arbeitete ich zwischendrin in Klamotten- und Schuhläden, als Kinderbetreuerin, Schauspielpatientin, studentische Hilfskraft, Hochzeitsfotografin und wenn man es genau nimmt war auch Beuteldesignerin dabei. Ich wollte Künstlerin, Journalistin, Psychotherapeutin, Erziehungswissenschaftlerin und Motologin werden. Tatsächlich habe ich einen Abschluss in Soziologie gemacht. Tatsächlich fand ich es immer gut wenn ich mich nicht entscheiden musste. Wenn es einfach so passierte. Tatsächlich habe ich Vieles ausprobiert. Ich bereue nichts davon, denn ich bin kein verdammtes Töpfergut. Ich bin unfertig, launisch und immer auf der Suche. Ich probiere gerne Dinge aus und höre immer genau dann damit auf, wenn ich es wirklich nicht mehr machen will. Das dauert manchmal mehrere Jahre, manchmal einen Tag. Letzte Woche wollte ich mir ein Wurfzelt kaufen und damit die Welt bereisen, was ich letztendlich nicht getan habe. Kann sein dass ich damit nicht besonders gesellschaftskompatibel bin und kann sein, dass ich deshalb manchmal so wütend werde. Weil ich weiß, dass ich einiges, vielleicht zuviel von meinem Leben erwarte. Dass ich manchmal wünschte alles wäre soviel einfacher, wenn ich nur wüsste was ich genau will. Was ich antworten könnte, wenn man mich fragt „Jetzt sag doch mal, was willst du denn machen?“ und mich dabei eindringlich ansieht. Ich könnte mir so Vieles vorstellen und so Vieles nicht. Von Anpassungsschwierigkeiten über Aufmüpfigkeit wurde mir schon Vieles an den Kopf geworden. Meistens von mir Selbst. „hab dich nicht so“, „stell dich nicht so an“, „alle machen das so“ und „zieh halt mal was durch“ sind trotzdem Sätze die nicht gerade zu meinen Favoriten gehören. Ich habe das Bedürfnis mich zu rechtfertigen und mich zu erklären. Den ganzen Druck abzuschütteln. Mich selbst von mir zu überzeugen und von der Flucht mit dem Wurfzelt abzubringen. Denn „wenn du von dir selbst flüchten willst, kannst du auch gleich hier bleiben“. Zitat von meiner Mutter, die Recht hat, hinter mir steht und irgendwie auch mitbeteiligt ist, am ganzen Dilemma. Sie hat mich gelernt, dass es nicht immer gut ist mitzuschwimmen und manchmal sogar angebracht auszusteigen. Dafür bin ich dankbar und dennoch verwirrt. Woher kann ich wissen, was das Richtige ist? Woher soll ich wissen, dass alles gut wird, wenn ich weiterhin so orientierungslos durch die Gegend laufe und bereits die ersten grauen Haare auftauchen? Wenn viele verständnislos gucken und ich am Ende meine größte Kritikerin bleibe. Solche Fragen lassen sich nicht klären, und was bietet sich da besser an, als einen therapeutischen Text darüber zuschreiben. Auf der Basis von schlechter Laune und ein bisschen Welthass. „Ich versuche irgendwie lebendig zu sein und mich nicht unterkriegen zu lassen.“ Vielleicht sollte das meine Antwort sein, auf die Frage was denn genau meine Bestimmung sei. Denn gerade fühlt es sich verdammt richtig an.