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Freitag, 23. Oktober 2015

How not to get lost in Marseille!


Marseille fühlt sich im ersten Moment so französisch an wie Bockwurst. Dann stellt sie sich als wunderbare Hafenstadt vor, die multikulturell, künstlerisch und großstädtisch ist, aber auch still und erholsam sein kann. Zum Beispiel wenn man in einer einsamen Fischerbucht mit Blick auf die laute und - für französische Verhältnisse -dreckige Stadt schaut und immer noch in Marseille ist, wenn man einen der vielen grünen Aussichtspunkte erklimmt oder Ausflüge in die Umgebung wagt. Marseille erinnert an viele andere Städte und wandelte sich von einer Gangsta-Ville zu einem (noch relativ unbekannten) Urlaubsort mit Seifengeruch in den U-Bahn-Stationen. Meine Eindrücke und Lieblingsorte habe ich hier als kleinen Reiseguide zusammengefasst. 

Auf dem Weg vom Bahnhof zur Ferienwohnung kommt es mir so vor, als hätte ich einen Abstecher in ein arabisches Land gemacht. Auf den kleinen Gassen sitzen Männer, zwischen Handy-Läden, Schneidereien und Imbissbuden, trinken Tee und starren auf unsere kurzen Röckchen und tiefe Ausschnitten. Das Viertel Belsunce (unterhalb des Bahnhofs Saint Charles bis zum Hafen und der Einkaufsmeile La Canabiére) ist lebendig, aber auch relativ Frauen-frei. Von der perfekten Verschleierung in pink über massenweise importierte Birkenstocks zu günstigen kleinen Läden, die von Obst bis Fotoautomaten alles haben und anbieten (aber manchmal weit über das Haltbarkeitsdatum hinaus). La Canabiére ist eine überfüllte Einkaufsmeile mit wenig Charme und austauschbaren Läden, an der man sich allerdings gut verorten und orientieren kann. Während es östlich der Rue de Rome viele kleine afrikanische Geschäfte gibt, sind die westlichen Seitenstraßen der Canabiére eher kommerzieller Mainstream. Süd-östlich der Canabiére am Marché de Noailles findet man ein buntes  - möglicherweise zerquetschendes - Marktleben. 


Am Vieux Port (alter Hafen) bekommt man frischen Fisch und gute Fotomotive und kann  von dort aus wunderbar über den Quai du Port die Ober- und Altstadt erkunden. Für mich ist Le Paniér (nördlich, oberhalb des alten Hafens) eine perfekte Mischung aus Granada und Lissabon, zu dem ein Hauch seifig-französischer Flair gemischt wurde. Durch die kleinen Gassen auf und ab zu wandern, die kleinen teils skurrilen und künstlerischen Läden abzuklappern und sich irgendwo einen Café zu genehmigen, sollte ein jedermanns/ jederfraus Tagesplan sein, wenn es einen nach Marseille verschlägt. Wunderbar Ausruhen kann man sich zum Beispiel auch am Fuße des Le Panier, im "Cup of tea" (Salon de thé -Librairie- Café) in der Rue Caisserie 1. Im Vieille Charité (in der Rue de la Charité), einem ehemaligen Hospiz, befindet sich heute ein interessantes Museum und Kulturzentrum mit wechselnden Ausstellungen. Davor befindet sich einer der potentiellen Ausruh-Kaffee-Plätze. 

Im Szene- und Ausgehviertel Cours Julien (zwischen der Metro Noailles und dem Notre Dame du Mont), das früher eher zum düsteren Gangsta-Marseille gehörte, kann man in einem der zahlreichen Cafés oder Bars wunderbar (und relativ günstig!) den Abend ausklingen lassen, den Kakerlaken im Sommer mein erschrecken der Sitznachbarn oder bei einem spontanen Konzert zusehen. Vorsicht sei vor allem bei Vollmond geboten, wenn Druffis und Suffis aufeinander fallen. Ansonsten hatte ich in Marseille weniger Angst vor Mensch und Gewalt, sondern eher vor riesigen Monster-Ratten die mit Einbruch der Dunkelheit (im Hochsommer) die Stadt vereinnahmten. In diesem Sinne: watch your steps!

Wenn man genug Zeit hat, sollte man auf alle Fälle einen Ausflug zu den Inseln Les îles direkt vor der Bucht vor Marseille machen. Während die kleinste der Insel hauptsächlich aus der Burgruine Château d'If besteht, kann man auf der Zwillingsinsel îles du Frioul kleine Wanderungen zu wunderbaren Calanques (kleine Buchten) machen und im türkisen und unglaublich klaren Wasser der Calanque de Saint Estéve baden. Die karge und fast unbewohnte Natur der Insel  könnte außerdem prima als Filmkulisse für Western, Aktion -Blockbuster oder griechischen Dramen fungieren. Boote nach Frioul fahren ca. alle halbe Stunde vom alten Hafen (südliche Seite) ab.

Weitere Marseille-Hightlights und Erholungsorte findet man unterhalb der Kernstadt in den Fischerorten Les Goudes oder Callelongue. Von Les Goudes kann man außerdem bis zur südlichsten Spitze Cap Croisette von Marseille laufen (30min) und hat dort eine großartige Sicht aufs Meer und weitere kleine Inseln. Für Wanderungen in abgelegenen Calanques sollte man (im Sommer) immer erst überprüfen ob diese auf Grund der hohen Waldbrandgefahr in der Gegend überhaupt begehbar sind. Dafür ruft man am Besten eine (auch englisch sprachige) Hotline am Abend (ab 19 Uhr) vor dem Ausflug an, auch die Touristeninformation hat die Infos für eine mögliche Sperrung erst am Vorabend. Zu den Orten gelangt man am Schnellsten mit Bussen (Nummer 19 nach Madrague) ab dem Verkehrsknotenpunkt Rond-Point du Prado (der auch eine große U-Bahn Station hat), die auch zum großen Stadtstrand Plage du Prado fahren. An der Endhaltestelle von La Madrague steht dann ein weiterer Bus (No. 20) bereit, der einen über eine kurvige Straße über Les Goudes bis nach Callelogne bringt. 
Auch ein langer Strandspaziergang am Plage du Prado entlang bis zum Pointe Rouge (immer Richtung Süden) eignet sich als nette Abwechslung zum innerstädtischen Leben. Vom (im Sommer teilweise übervollen) Strand bietet sich ein toller Blick auf die genannten Les îles und man hat zahlreiche Möglichkeiten mal eben ins klare Wasser zu hüpfen. 
Wenn man länger als zwei Tage in Marseille verbringt, sollte man sich am Anfang direkt in eins der vielen Fotoautomaten (z.B. in Belsunce) setzen, kurz lächeln und dann in eine der Schlangen in den U-Bahn-Stationen stellen. Dort bekommt man für unschlagbare 13€ für eine Woche lang eine Metro- und Bus-Karte, die in der kompletten Marseille-Region (bis zu den abgelegenen Fischerorten) gültig ist. 


Vielleicht zum Abschluss noch ein paar Worte zu meinem Lieblingsthema Essen. In Frankreich ist (gut!) Essengehen teuer (20€ pro Gericht aufwärts), so dass man sich überlegen sollte, vielleicht lieber eine Übernachtungsmöglichkeit mit Küche zu nehmen. So kann man die Abende mit ausschweifenden Kochaktionen zelebrieren und hat am Ende des Urlaubs immer noch ein paar Kröten für frische Croissants und ein noch warmes Baguette am Morgen übrig. Oder shoppt ein paar Seifen (Marseille ist DIE Seifen-Stadt schlecht hin) und bringt jedem, der es verdient hat eine Flasche Pastis (Marseille ist DIE Anis-Schnapps-Stadt) mit. In diesem Sinne: fröhliches Betrinken…. äh Abenteuer! 


Mittwoch, 12. August 2015

Schön bunt und fröhlich vor sich hin konsumieren




Wir fahren 1,5 Stunden mit dem Zug und dann noch mal fast 5 Stunden mit dem Auto, bis wir dann kurz vor dem Ziel - direkt vor dem Eingang ins viel umwobene Wunderland – zum Stehen kommen. Wir stehen ganze 4 Stunden bis wir im Nieselregen endlich unser Zelt aufbauen können. Eine der vielen Druffi-Bühnen beschallt vor allem unser Zelt stelle ich mit nüchternem Blick fest, so dass wir, wenn wir uns hinlegen, fast ein bisschen von alleine tänzeln. Aber das macht nichts, denn ich hatte ja beschlossen, mich von nun an einfach drauf einzulassen und mit dem Rumpampen endlich aufzuhören. Ich hatte mich gut vorbereitet und ein paar Stunden vor Abfahrt sogar noch einmal ein paar Einpack-Listen gelesen. Ich hatte sogar ein Erste-Hilfe-Set besorgt! Darüber machen wir jetzt natürliche alle paar Minuten Scherze. Jeder würde Scherze machen, wenn er sechs Stunden in einem Auto voller fünf Menschen und voller fünf Festivalmonturen gequetscht wäre. Da macht man nur noch Scherze und versucht damit seine Gliedmaßen bei Laune zu halten! 

Alleine während der vierstündigen Wartezeit auf dem Rollfeld hat sich mein komplettes Kippenkonsum des bisherigen Jahres verzehnfacht, unseren halben Proviant für die kommenden 3 Tage aufgefressen und alle fünf Minuten nach einer Umarmung gebettelt. Aber macht nichts, denn meine liebevoll bemalt und verzierten Fingernägel machen sich in der verwirrenden bunten Welt besonders gut und auch meine Leo-Gummistiefel scheinen genau die richtige Wahl gewesen zu sein. Auch die ersten Dixi-Erlebnisse gestalten sich weitaus weniger traumatisch als angenommen, es gibt sogar Klopapier! Und meine Augenringe und Fetthaare sind schon allein deshalb weniger schockierend, weil es fast nirgendwo Spiegel gibt. Als ich dann am nächsten Morgen im stinkenden Zelt aufwache, ist es mir tatsächlich fast egal, dass der übrig gebliebene Restproviant als Frühstück einfach nur ekelhaft schmeckt. Bis ich dann merke, dass „alle anderen“ die feinsten Bioprodukte auspacken und ich für allein für Müsli einen schiefen Blick beim Einkauf geerntet hatte, während Mann weiter Würste in den Einkaufswagen legte. Aber egal, denn das gibt ja vielleicht ein paar Extra-Umarmungen und Mitleidsküsse. Um vier Uhr mittags laufe ich statt geküsst „mutterseelenallein“ und ohne jegliche Form von Mitleid über das Gelände, dass am Tag tatsächlich viel weniger romantisch und viel mülliger aussieht als nachts. Ich laufe planlos aber immer gegen die Masse an, was ich im Hinblick auf die Massenwanderungen Richtung Mini-See für wirklich mutig halte. Heute war ich schon gefühlte 10 Mal auf irgendwelchen „Toiletten“, für die ich locker den halben Tag anstehen musste. Und dann nicht mal scheißen konnte! Als ich irgendwann müde und voller Kloimpressionen an meinem Zelt ankomme, ist mein Zelt abschlossen. Weil wir ja sicher sein wollten. Also lege ich mich elegant in zwei der luxeriösen Campingstühle und stelle mich tot bis ein Dealer vorbei schneit und mir LSD, MDMA und Grass verkaufen will. Während mein Zeltnachbar aus seinem Zelt kommt und eine Ladung Pillen kauft, schüttele ich meinen blonden Fett-Kopf zufrieden in der Abendsonne. Als irgendwann wieder alle unter unserem Pavillon versammelt sind, es ein paar Bindfäden regnet und wir über die nächsten hunderttausend Acts sprechen die anstehen, fühlt es sich ein bisschen so an, als wäre die von den Veranstaltern beabsichtigte Parallelwelt geglückt. So als wären wir alle ein glückselig vor sich hinkonsumierendes Volk, dass niemals jemanden Schaden zufügen wird. Trotzdem liegt überall Müll. Trotzdem stinkt die Scheiße von uns in den Dixiklos Kilometer weit. Aber das macht nichts, denn wir haben uns. Und den Alkohol. Und die Zigaretten und ein bisschen Gras. Was braucht es mehr? 

Um kurz vor zwölf stehe ich vor einem Act dessen Name ich schon wieder vergessen habe in der bunten glitzernden Menge und verziehe schmerzerfüllt mein Gesicht. Mein Rücken tut so weh, dass ich weder stehen noch gehen kann, aber Liegen in dieser Masse irgendwie auch wegfällt. Ich leide so lange still vor mich hin, bis mir irgendwann Tränen über die Wangen fließen und ich gequält ins Zelt schleiche. Vorher mache ich noch einen Abstecher auf dem „WC-Royal“ - auf dem es Kloschüssel, Waschbecken und Spiegel gibt – und betrachte mein 25. Jähriges Ich. Es sieht Scheiße aus und kommt kaum mehr von der Kloschlüssel hoch. 

Am nächsten Morgen wache ich vor lauter Tief-Schlaf-Phasen motiviert auf und denke: „Macht nichts, ich habe ja noch Magnesium-Vitamin-C-Vitamin-B-Tabletten“. Außerdem ist heute endlich unser Proviant alle und wir können unser Geld endlich in richtiges Essen investieren. Also konsumieren wir alles war nicht teurer als 5 Euro, vegan und super fröhlich ist. Mein Bauch wächst dabei kontinuierlich und parallel zu den WC- und Dixi-Klo-Schlangen. Die Versöhnung dieser Schlange-steh-Kultur finde ich der Gemeinschaft unterm Pavillon, dem Bindfäden nichts abkönnen und unter dem sowohl Äppler, als auch Rum viel besser schmecken. Die Laune ist solange ekstatisch bis plötzlich alle Kippen alle sind! Und der Tabak! Und nirgendwo kann man neues kaufen! Als dann noch alle wo anders hin wollen scheint die Gruppendynamik Eskalation-gefährdet. Aber macht nichts, denn ich befinde mich in einem Zustand heiterer bis unnatürlicher Gelassenheit und tanze mit allem mit. Um Punkt 3 ist dieser Zauber, so plötzlich er gekommen war, wieder vorbei. Verwirrt schlurfe ich über das Gelände und frage mich nach dem Sinn des Massenphänomens, das speziell sein will. Das anders sein will, alternativ und glitzernd, aber trotzdem die Masse tanzen lässt. Tag und Nacht. Die Sehnsucht nach einer bunten, fröhlichen Welt, bei der trotzdem an Flüchtlinge, Umwelt und Unterdrückte gedacht werden soll, erscheint mir zunehmend absurder. Die Schilder an den Zelten, auf denen nach Drogen gebettelt werden, zeigen viel eher ein Bild, dass sich nicht gerade nach Realitätssinn sehnt. Aber macht ja nichts! 

Als am letzten Morgen Menschen Müll suchend durch die Gegend schleichen und ich genervt das Zelt abbaue, weil ich Zelte insgeheim schon immer gehasst habe und die Sonne auf unsere quadratischen Köpfe prallt, freue ich mich verstohlen auf mein Bett. Bis zu diesem spießig aber wohligen Zustand werden noch Stunden vergehen. Wir stehen in der prallen Sonne und zur Aufheiterung macht Mann mit mir Rätselspiele. Ich fühle mich wie zehn. Bis nach Potsdam brauchen wir drei Stunden. Als wir in der vermeintlichen Zivilisation – an der nächsten Raststätte – ankommen, ist die Klo-Schlange schon wieder Kilometer lang. FestivallantInnen und RenterInnen drängeln, fluchen und machen sich gegenseitig für das Dilemma verantwortlich. Wir fressen alles was über 5 Euro kostet und ungesund aussieht, während die Männer  immer noch an die Zäune pissen. Als wir trotzdem noch völlig ausgehungert und Ideal-verratend bei Mc Donald halten und 30 Minuten auf unseren Fraß warten müssen, fließt mir ein wenig der Zusammenreiß-Schweiß von der Stirn. „Ich wollte mich ja darauf einlassen, aber jetzt will ich es nicht mehr.“ pampe ich, meinen Burger fressend rum. Niemand registriert das, alle essen schweigend weiter. „macht ja nichts“ murmele ich vor mich hin, während mir plötzlich liebevoll über meinen 4-Tage nicht gewaschenen Kopf gestrichen wird "wir sind ja bald zuhause." Ich fühle mich wie zehn und verhalte mich auch so. Zaghaft zuversichtlich schaue ich auf meine bunten Fingernägeln, die immer noch fröhlich im Abendlicht glitzern. Sie haben nichts abbekommen.

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Festival-Verarbeitungsmaßnahmen als Blog-Aktivierung und rasante Berg- und Talfahrt und viel BLA-BLA-BLA. 

Samstag, 9. Februar 2013

how not to get lost - in Madrid!

Mal was anders als das sonstige Geschwafel; mal was "praktisches"; mal ein kleiner Guide über Marid. Damit will ich nicht sagen, dass ich der übertriebene Insider mit entsprechendem Know-how für sowas bin, dennoch bin ich in Madrid, dem letzten Stop meiner Reise und auch vorher, viel herum geirrt (mir hätte so ein kleiner Blog-Guide vielleicht geholfen) habe die Gegend erkundet, ein paar Fotos gemacht und meine Lieblingsorte aufgeschrieben. Vielleicht können diese sogar direkt von (diesen einen zwei) Menschen in Anspruch- und auseinander genommen werden und am Ende ist es sogar irgendwie nützlich. Hier also meine Madrid-Highlights (einigermaßen geordnet nach Richtungen).


Der Norden:

Plaza dos de Manos:
Hübscher kleiner Platz im Lieblingsviertel; im Sommer auch schön zum draußen sitzen und essen, ansonsten kann man dort auch im Winter perfekt sitzen, pausieren und Menschen beobachten. 


Rund um die Calle del Marques de Santa Ana (Metro Noviciado/ Reyes): 
Meine absolute Lieblings-Straße mit vielen Cafés, kleinen (kurisosen) Läden und Vintage-Läden (die sind etwas überteuert!). Einfach durch schlendern. 


Lolina Vintage Café (in selber Strasse): 
Wunderschönes Café (eingerichtet mit vielen alten Möbeln und bequemen Sesseln) mit übertrieben leckerem Möhrenkuchen (mit Cortado für 3,5€). Wenn man die Treppe runter geht noch ein bisschen gemütlicher. 



Pictures of Lili (Buchladen in der selben Strasse):
Süß trifft es ganz gut bei dem Buch- und KrimsKrams-Laden. Schöner Schmuck, Tassen und natürlich jede Menge Bücher (auch in englisch!). Als mir dann noch eine Minikatze mit rießen Augen begegnet ist, kam mir der Laden dann irgendwie verzaubert vor. 

Calle Augusto Figuera & Mercado San Antón (Metro Chueca):
Nette Eikaufsstrasse, weniger stark überlaufen wie z.B. Gran Via mit coolem Feinschmecker-Markt, der etwas verschnobbt und überteuert ist - trotzdem lohnt es sich ein paar happen mit fisch für je einen Euro zu probieren und den Botschuh-Snobbs beim Austern löffeln zu zuschauen. 


Der Nordosten: Retiro-Park und Kunst: 





Retiro: Rießiger Stadtpark - im Sommer kann man sich auf einer Millionen Wiesenflächen ausruhen, Bötchen fahren und Eis essen. Im Winter theoretisch auch. Dann gibt es im Park noch zwei Austellungen; einmal im Palacio de Cristal und dann im Palacio de Velázquez (beide ohne Eintritt und allein schon wegen den Gebäuden lohnenswert!). 

Museo del Prado: So ziemlich alles an Masterpiecen da, was sich Masterpiece nennen darf, vor allem aber Klassiker wie Goya, Velázquez und Caravaggio. Außerdem gibt es noch zusätzliche Ausstellungen; ich war vor allem beeindruckt von der "van Dyck" Ausstellung, die sich seinen Werken bis 22 Jahren gewidmet hat. Wenn man sich alles anschauen will sollte man viel Zeit und Pausen einplanen oder den Besuch vielleicht auf mehrere Tage verteilen. Am Lohnenswerten ist (meiner Meinung nach) jedoch der Mittelteil des ersten Stock mit seinen spanischen, flämischen und italienischen Klassikern. Der Eintritt ins Museum ist für Studenten zu jeder Zeit kostenlos, ansonsten für alle anderen Mo - Fr abends ab 18- 20 Uhr. 

Mueso Reina Sofia: Moderne und zeitgenössische Kunst ab 1900. Ebenfalls gilt wie im Prado; viel Zeit und bequeme Schuhe - denn auch dieses Museum ist enorm. Eintritt wieder für Studenten frei, Mo - Fr ab 19- 21 Uhr und sonntags. 

Caixa Forum (schräg gegenüber vom Prado, Paseo del Prado): Von der spanischen Sparkasse gesponsertes Auditorium, Konferenzgebäude und Museum. Wechselnde gratis Ausstellungen - durchaus interessante Sachen dabei. Zur Zeit (bis 19. Mai) z.B. über die "Meister des Chaos - Künstler und Schamanen". 




Paseo del Prado (und linke Neben- Parallelstrassen):
Schöne Strasse mit Cafés, Restaurants und hotels, die am Plaza Santa Ana endet. Relativ am Anfang der Strasse (überhalb des Forums) befindet sich außerdem ein weiteres kleines Museum, in der ich eine kleine Ausstellung über Frauen in den 50ern fand. 

Rund um den Plaza Santa Ana: 
Nächster Lieblingsort. Rund herum sind viele Bars, Cafés, Pubs und kleine Läden. Schön für Feierabendwein oder Bier (in den Cafés ist es eindeutig billiger als in den Pubs!). 

Kamera Laden (Calle Echegary):
Total cooler Hipster-Laden für Hipster-Kameras (Fisheyes, Lomos, Polas etc.), zum Wunschlisten-schreiben und Hipster-gedanken-machen perfekt. 



Zentrum und Süden: 

Mercado San Miguel (Plaza de San Miguel, direkt neben Plaza Mayor): 
Wieder ein schöner (Feinschmecker-) Markt. Es trifft sich das Who is Who der (Möchtegern-) Gourmets (also alles reine Vermutung!). 


Plaza San Andres/ Plaza de la Paja (links vom Mercado):
Perfekter Platz zum Sonnenschein-Kaffee trinken. 



La Latina und Lavapiés: 
Die innerstädtischen Viertel mit dem größten Multikulti-Faktor (meiner Auffassung nach). Erinnern ein bisschen an Berlin (Kreuzberg/ Neu Kölln). An sich eigentlich ganz nett, günstig und sehr bunt, jedoch sollte man da vielleicht nicht ganz allein (und als Frau) rumlaufen (und wenn doch sich vor Machoisten und Anlaberen zu wehren wissen) - vor allem Plaza Lavapiés stellte sich als ziemlicher hot-spot der Übergrifflichkeit heraus! 



La Libre Café (an der Ecke Doctor Fourquet und Argumosa - Nähe des Reina Sofia Museums):
Super nettes kleines Café mit literarischer Einrichtung und leckeren Kleinigkeiten (jedoch wirklich eher klein und recht teuer). Für'n Cortado, nen Buch und ne Lauf-Pause der ideale Erholungsort. 





weitere "Touri must-haves": 
Palacio Real (vor allem groß & protzig, im Westen), Plaza Mayor; der Rathausplatz mitten im Zentrum, Puerta de Sol; hauptumschlagplatz des Konsums und Templo del Debod; ein nachgebautes Ägypten-Wunder im Nordwesten der Stadt (Eintritt umsonst). 

Donnerstag, 7. Februar 2013

Last goodbye


Die perfekte Avocado gerade ausgelöffelt! Alle Abschiede überstanden. Granada und Madrid erkundschaftet, geliebtäugt und ins Herz geschlossen. Kein Tag ohne Sonne - kein Tag ohne auslöffeln!

Ab morgen Abend dann wieder grau-weiße Realität - ich hoffe dass wenigstens ein paar dieser (Geschmacks-/ Ideen-/ Inspirations-) Happen den Flug überleben. Während ich immer noch nicht glauben kann, dass ich tatsächlich schon ein halbes Jahr Lalaguna, Teneriffa und sonstige Späße hinter mir habe, hoffe ich insgeheim schon darauf, dass die Post-Erasmus-Depression (wenn man dieser neuen Epidemie-welle denn Glauben schenken sollte) dann mindestens genauso schnell vorbei zieht... oder einfach von so viel Kopfkino überblendet wird, dass es erträglicher wird. An Gedanken sollte es nicht scheitern, eventuell könnte ich aber direkt auch anfangen was zu reißen, weiterdenken, nach vorne - ganz Postmodern quasi. Mit einer einzigen Uni-Veranstaltung die Woche sollte ich damit zumindest auch jede Menge Zeit (zum zer-/ver-/reißen) haben.

Ausführlichere Posts (oder besagte Happen) werden folgen - jetzt erstmal wieder einmal über die Wolken, Maultaschen mit Schupfis und Äppler -und ankommen. 

Donnerstag, 17. Januar 2013

die perfekte Avocado




Ankommen ist ein Prozess. Manchmal braucht es ein oder zwei Apfelwein, Aufheiterungsmaßnahmen oder Sonnenstrahlen mehr als sonst. Tage die nicht ausreichen, Tränen die nicht trocken können, weil die Luftfeuchtigkeit eindeutig  zu hoch ist. Abschied ist ein Prozess. Manchmal braucht es ein oder zwei Apfelwein, Aufheiterungsmaßnahmen oder Sonnenstrahlen mehr als sonst. Tage die nicht ausreichen, Tränen die nicht trocken können, weil die Luftfeuchtigkeit eindeutig  zu hoch ist. Zwei Prozesse die ineinander verschwimmen wie eine gut gelungene Salatsoße, die man extra gekocht hat, damit sich alle Zutaten auch wirklich vermischen. Man mischt sich mit sich selbst, man mischt sich mit andern. Am Ende bleibt man eine Mischung die irgendwie nicht gelungen ist. Zwischen über den Wolken, Begrüßungen und Abschiednehmen schwankt der Geist und ist in der Lage jeden Moment zu kotzen. Nicht nur aus und über die sich ständig verändernde schwammige Zeit die wie eine perfekte Avocado einfach ausgelöffelt wird, nicht nur über Kopf- oder Halsschmerzen. Alles scheint irgendwie plötzlich ekelhaft. Da ist egal ob man über Zukunft oder Vergangenheit philosophiert, sich darüber ärgert, dass man glaubt man würde etwas verlieren zwischen 5 Flugstunden oder zwischen Menschen. Ob man glaubt man würde zu viel kotzen und zu wenig Avocado auslöffeln. In Parallelwelten zu hängen die in Wirklichkeit gar nicht existieren. Die man sich kreiert hat, damit alles so schön einfach aussieht. Und es sieht schön aus, wenn die Sonne scheint und man mit einem Kaffee im Gras liegt. Es ist. Wenn man sich in einem vermeintlich ständig bewegenden Prozess aus Ankomm-Abschiednehmen befindet helfen keine Gedanken die an Orte gebunden sind. Helfen keine Worte die an Orte gebunden sind. Hilft nur ein oder zwei Sonnenstrahlen mehr. 

Lalaguna mit seinen letzen zwei Wochen Sonnenstrahlen. 

Dienstag, 16. Oktober 2012

Sprachkrankheit und andere Späße





(Wegen der langen Blog-Pause, wird dieser Post natürlich besonders spektakulär.)


Die bereits vorgeschrittene Sprachkrankheit hat in zwischen auch breite Teile der WG befallen. Am Ende werden wir uns nur noch mit Händen und Füßen unterhalten. Oder zur Abwechslung halt auch einfach mal schweigen – und essen. Eine Sache die uns hier besonders zusammen hält und beschäftigt. Neben dem ständigen Observieren von Ghetto-Bewohnern natürlich. Inzwischen müssen wir allerdings etwas umsichtiger sein, ansonsten werden wir nämlich von ständigen Albträumen heimgesucht, in denen die weißen Unterhemden plötzlich in unsere Küche stehen; uns das Essen wegnehmen und uns eventuell etwas vorsingen. Wobei das wohl eine Bewohner meinem Gesang vorziehen, aber ich drifte ab. Wenn man es genau betrachtet, bin ich jetzt quasi schon fast zwei Monate auf der Insel, habe schon einen Monat Uni hinter mir, bin enorme fünf Grad brauner geworden, habe gefühlte drei Kilo zu genommen und bin am Dauer-Gähnen. Das wiederum liegt vermutlich an der enormen frischen Luft und der enormen Feizeitbeschäftigungen. Diese bestehen aus drei Faktoren: Sonne, Wasser, Wandern. Damit ist man erstmal beschäftigt. Wenn einem dann noch langweilig sein sollte, verbringt man seine Zeit noch mit Insel-Hopping, Bier/Sangria/Gin/Mojito trinken und wie schon erwähnt; Essen. Zum Beispiel zwei mal die Woche in der Lieblings-Bodegón oder im Lebens- und Complaint-Zentrum; unserer WG-Küche. Natürlich zwischendrin ist noch Schule und Sprachkurs. Das nervt etwas und am Ende der zwei oder vier Stunden fühlt man sich wie ein leerer Luftballon. Das kann an der Sprachkrankheit liegen, vielleicht aber auch an der Tatsache das man wieder zur Schule geht; inklusiver langweiliger Lehrer, langweiliger Hausaufgaben und der Abwesenheit von Mensapausen. Dafür kann man, wenn man aus der Schule kommt, aufs Meer schauen und danach erstmal in die Lieblings-Bodegón gehen. Oder halt ins Complaint-Department, zum nächsten Strand, zum nächsten Berg, zur nächsten Bar oder auf die nächste Insel. Und ab und zu lernt man natürlich auch was. Eigentlich aber mehr so durch den den kulturellen Kontext. Der natürlich auch erst einmal ausreichend verstanden und mit den internationalen Mitbewohnis beratschlagt werden muss. So lerne ich am Ende also doch noch jede Menge über Kultur - just by doing it, of course. 


Andere Erfahrungen die ich hier sammeln konnte (ohne es zu wollen): ein sterbender Mann direkt neben uns am Strand, ein Auto in einer rießigen Stadt kann eine große Qual sein (- nicht selbst fahren zu können auch), gegen Kurven hilft nur Co-Pilot spielen und gegen Kakerlaken hilft tatsächlich eine fantastische Mischung aus Borsäure und Kondensmilch, man sollte niemals versuchen frei liegende Kaktusfrüchte zu sammeln, stattdessen lieber immer ein olles Bocadillo (sieht es auch noch so grässlich aus) mithaben. Was gegen Marburg-weh hilft könnt ihr euch denken; Greys Anatomy heitert mich eben in allen Lebenslagen auf. Genau wie Aufheiterungspasta, genau wie ein gut gemischter Kaffee und all die nennten Menschen die ihn mit mir trinken natürlich auch.  Alles in allem funktioniert hier also das Leben, nach erfolgreich gemeisterten Prüfungen und als nun wirklich anerkannten temporären Kanarischen Staatsbürgerschaft, ebenso wie zwischen Oberstadt, Mensa und Lahn, halt einfach nur anders. (Achso, hier werden also noch echte Erkenntnisse gewonnen.) Zwar mit mehr Geduld, aber mit größerem Genießerwert, tauscht man Lahn gegen Meer und Sonne gegen Post-November-Depressionen. 




Grüße und Liebe in die Welt!