Posts mit dem Label Talking about... werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Talking about... werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 17. März 2015

Talking about… xocóatl!


und zur Abwechslung mal wieder was (ganz) Seichtes: 

Zwar ist der Schokoladen-Hype, den vermutlich irgendwann einmal von den Azteken angezettelt wurde, in meinen gesellschaftlich - vermeintlich intellektuellen - Kreisen groß (ich vermute die Assoziation Stress- und Nervennahrung kommt euch sofort) und auf Wikipedia werden immerhin 8 Spiel- und Dokumentarfilme und sechs Schokoladenmuseen (allein in Deutschland und Österreich) gelistet, Schokolade und ich haben aber eher ein ambivalentes Verhältnis zueinander. Es gab sogar mal eine Zeit, da habe wir uns gar nicht verstanden und es auch vermieden uns zu sehen. Denn die Sache ist, entweder esse ich sie auf (komplett) oder ich lasse es einfach sein. Heute lasse ich es also nicht einfach sein. Viel eher lade sie fast täglich zu mir ein und verspeise sie so wie ein läppisches Butterbrot, oder sagen wir lieber gleich, wie die Butter eines Butterbrots (siehe hier auch den Butter-Post). Macht auch Sinn der Vergleich, immerhin befinden sich ganze 18-28g Kakaobutter in einer 100g Tafel Schokolade. Was man – außer Tafeln - sonst alles mit Fett und Kakao machen kann wisst ihr vermutlich, vermutlich nämlich alles. Bei meinem Konsum halte ich mich nicht (nur) mit den billigen Zeitgenossen auf und verweise wie bei allen guten Lebensmitteln auf ihre gesellschaftliche Bedeutung (immerhin waren Kakaobohnen sogar mal Zahlungsmittel). Lindt & Sprüngli  - als Prestigeobjekt - kommt also in meine versnobten Gaumenwände und verbreitet sich dort innerhalb kürzester Zeit zu sahnigem Brei. Diese Schweizer-Qualitäts-Tafel (100g) besteht zwar zu ihrer Hälfte (51g) aus Fett, ist aber tatsächlich so „unendlich zartschmelzend“ wie es sich die Macher – ich meine natürlich die métiers de chocolatiers – gedacht haben. Die Schweizer wissen zwar wie es geht - was man auch in ihrem Konsumverhalten, welches sie nach Deutschland im Schokoladenverzehr pro Kopf anführen, sieht - dennoch scheint Lindt keinen unabhängigen Überprüfungsanspruch zu haben. Woher das Fett zum Zartschmelz also kommt, bleibt vermutlich für immer ein großes Geheimnis. Wenn Lindt keine Zeit hat gibt es immer noch das halbleere Nussnugat Creme für 1,50€ im Regal. Es ist zäh und pampig, viel zu süß und eben kein Lindt & Sprüngli. Trotzdem wartet es dort geduldig und freut sich in meinem Bett gelöffelt zu werden. Schokolade soll angeblich so was wie ein Stimmungsmacher und Aufputschmittel sein, nach unseren meist sehr kurzweiligen Treffen ist meine Stimmung meist jedoch nicht viel besser als vorher, die Zähne dreckig und der Glukosewert so hoch, dass er nicht mehr abgebaut werden kann und direkt in meine Hüften wandert. Dort ist Nussnugatcreme genauso wenig wert wie Lindt & Sprüngli. Die Hüftebene kennt eben keine gesellschaftlichen Unterschiede und scheißt auf Zartschmelz, conchieren, Kokosmilch und dem ganzen fettigen Rest. Nun, immerhin senkt Schokolade unter Umständen (wenn man von all dem Fett nicht ziemlich breit geworden ist) das Blut und es wurde ebenfalls bewiesen (soso), dass zwischen Schokolade und Pickel kein direkter Zusammenhang besteht. Wie schön zu hören.

Montag, 26. Mai 2014

Talking about... Butter!


Heute: Butter, oder auch der Inbegriff des Fetts. Talking about classic Butterbrot? Butter bei Fischen und dem Butterbrot dem die Butter fehlt? Denkste! Hier geht es um Butterpolitik und Butter als Wissenschaft. 


Unter Butter, diesem, so einfach konstruiertem, Grundnahrungsmittel versteht man durch buttern erzeugtes Milchfett von weißer bis gelblicher Farbe. So die Kurzform. Im Wikipedia-Jargon geht es dann doch um deutlich mehr. Nämlich um den Rahm von (meist Kuhmilch) – in Form von hergestelltem Streichfett – dass wiederum der EU-Verordnung zu mindest 80 Prozent aus Milchfett bestehen muss (da sag noch mal einer die EU würde nicht für unser Wohl sorgen!). Außerdem muss bei einer EU-Normbutter sicher gestellt sein, dass ein Wassergehalt von 16 Prozent nicht überschritten wird. Andere Inhalts- oder Aromastoffe können den anscheinend unvergleichlichen EU-Buttergeschmack nicht entstellen. Der Butterhochgenuss geht dabei vor allem mit einem besonders hohen Gehalt an Ölsäure und gesättigten Fettsäuren einher. Brennwert; ca. 3100kJ (740kcal) pro 100g. Butter darf in Deutschland nach 3 Qualitätsstufen verkauft werden. An oberste Stelle die Deutsche Markenbutter! Diese wird gemäß dem Paragraf 13 der Butterverordnung (!) für die qualitativ hochwertigste Butter vergeben. Sie darf nur aus Milch von Kühen (oder daraus unmittelbar gewonnenem Rahm) hergestellt werden. Bei der monatlichen Butterprüfung müssen in jeder geprüften Kategorie mindestens vier von fünf möglichen Punkten erreicht werden. Dann folgen noch die Deutsche Molkereibutter und die Landbutter – aber es geht eben nichts über die Deutsche Markenbutter. Der Sage nach, gibt es Butter quasi schon immer, auch wenn sie vermutlich noch nie so viele Auflagen zu erfüllen hatte. Dabei steht sie bis heute immer in starker Konkurrenz zum Butter-Staatsfeind No.1; dem Olivenöl (neumodischer: dem umstrittenen Rapsöl).
Um nun auch einen soziologischen Vergleich hinzukriegen, wage ich hier die These, dass Butter – schon wieder – als Prestigeobjekt verstanden werden kann. Das reine Fett muss man sich nämlich erstens leisten können (unterschätze niemals den Preis einer guten Deutschen Markenbutter!), zweitens muss man es wohl  dosieren können (dazu braucht man nicht nur die richtigen Messer, das richtige Brot usw., sondern auch das richtige Fett-Verständnis) und drittens muss man wissen, das Butter nicht gleich Magarine, nicht gleich Rappsöl, nicht gleich Olivenöl ist (dieses Wissen ist auch nicht zu unterschätzen!). Die Rechung ist deshalb recht einfach zu stellen; um Butter – richtig - zu konsumieren braucht man Geld x Gesundheitsbewusstsein x Bildung. Was ich bis zum Lesen dieses wunderschön aufschlussreichen Wiki-Artikel nicht wusste, es gibt sogar eine Sozialbutter, die meine These erstmal statt unter zubuttern, zu untermauern scheint. Die Rede ist hier von einer subventionierten Butter für soziale Einrichtungen wie Krankenhäuser, Reha-Zentren, Alten- und Pflegeheime. Die inzwischen – auf Grund von Gesundheitsmaßnahmen - wieder abgeschaffte EU-Subvention sah vor, dass sich auch soziale Einrichtungen eine (ungesalzene) Markenbutter leisten konnten. Sie brauchten dafür natürlich nur „einen Berechtigungsschein der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) der dem Träger der Einrichtung, oder der für diesen tätigen Zentralküche bzw. Cateringfirma gegen Vorlage eines Nachweises der Gemeinnützigkeit (§ 9 Nr. 1 MFVV) oder Nachweis eines „alternativen Tatbestandes“ (§ 9 Nr. 2-4 MFVV) ausgestellt wird“ (wikipedia.org/sozialbutter). Die Höchstbezugsmenge war dabei auf zwei kg Sozialbutter pro Person und Monat beschränkt. Diese Form von Vergünstigung wurde unter anderem beschlossen um den EU-Butterberg abzubauen. Wer nicht weiß was damit gemeint ist? Hier geht es um die seit Ende 1970 herrschende Überproduktion der europäischen Butter. Achso! Also vielleicht doch keine Prestigebutter. 


Als weiterer ‚Funfact’ zum Schluss dieser Butterreise: das bei weitem bedeutendste Herstellerland für Butter ist Indien, gefolgt von Pakistan und den USA. Na dann, ist ja alles in Butter! (zu größeren politischen Statements bin ich - dank eines langen Kopfschüttel-Wahlabend-Marathons - gerade nicht mehr in der Lage...)





Dienstag, 8. April 2014

talking about… my past as a Verkaufsmaus!

Heute hab ich was lustiges gefunden! Nämlich ein Dokument meiner Vergangenheit. 
Das Zeitzeugnis entstammt meinen wilden, blutjungen Zwanzigern, als ich mir meine Brötchen damit verdiente, stinkende Chinaware zu verscherbeln. Ziemlich lange (naja sagen wir normalerweise werfe ich noch schneller das Handtuch) war dies mein alles erfüllender Alltag. Und das war so:
____________________

Mein Morgen als Verkaufsmaus fängt eigentlich recht gemütlich an. Aufstehen, Frühstücken, duschen, ein Apfel, eine Wasserflasche einpacken und fertig bin ich zum Aufbruch ins schönste Konsum Getümmel. Ach halt, das Outfit! Am besten natürlich Klamotten aus dem „eigenen Laden“ (ohja wie schnell es mit der Überidentifikation doch geht!) anziehen, denn am meisten freut man sich doch, wenn Kundinnen die „wo hängt denn das was sie da anhaben.“-Frage stellen. Ansonsten ist das A und O einer guten Vorbereitung: flache Schuhe. Selbst meine Kollegin, die ein ausgesprochener Highheels-Fan ist, jammert nach einigen „Absatz-Stunden“ wie ein krankes Meerschweinchen. An alle anderen Trottel, die dachten, dass nur die hohen Stiefel zum Gesamtkonzept passen, aber die Schmerzen nach vier Stunden stehen trotzdem unerträglich werden und auch noch –zu allem Übel- Mülltag ist (20 Kisten Müll und 3 Treppen zur Müllpresse!) verteilt sie großzügig flache Ballerinas, die sie in einer kleinen Plastiktüte in ihrer gefakten Chaneltasche die sie immer mit sich herum trägt.

Die Tage als Verkäufermaus sind zwar immer ähnlich, teilen sich aber grundsätzlich immer in zwei Kategorien auf. „volle Tage“ und „tote Tage“. Etwas dazwischen gibt es einfach nicht. „Volle Tage“ sind Freitage, Samstage und manchmal Mittwoche und grundsätzlich die Tage, an denen - frisch aus China eingeflogene - neue Ware gebracht wird. Anders wird es niemals sein, denn das ist anscheinend ein ungeschriebenes Gesetz des Einzelhandels. An „vollen Tagen“ fühle ich mich nicht als Verkaufsmaus das mickrige und ausbeuterische sechs Euro die Stunde verdient, sondern viel eher als Zirkuspferd das immer lächelnd die schmerzenden Füße verdrängt und dabei pausenlos seine Runden dreht. „Runden drehen“ heißt im Verkaufsjargon mit einem wachsamen Blick durch die Regale gehen, Bügel richtig hängen, auf dem Boden liegende Kleidung ausheben, aufhängen, Müll aufsammeln, Kabinen aus- und aufräumen, Schuhe suchen, finden (oder verzweifeln), ordnen und einkartonieren und schlimmstenfalls Kunden zu beraten. Auf Fragen wie „steht mir das, ganz ehrlich?“ oder „sehe ich darin zu fett aus?“ bleibt einem als Verkaufsmaus entweder nur die harte Realität (denn ja, es sieht fett aus und steht ihnen ganz und gar nicht!), die harte Realität in zuckersüße Watte zu verpacken („unsere Größen fallen immer min. 2 Nummern kleiner aus. Versuchen sie es lieber mit einer Nummer größer.“), mit der harte Realität auf den eigenen Geschmack schieben („mir Persönlich gefällt es nicht, nein.“) oder dem Kunden einfach das Blaue vom Himmel zu erzählen („nein, sie sehen kein bisschen fett aus, im Gegenteil... steht ihnen ganz ausgezeichnet!“). Jeder dieser Entscheidungen zieht unkalkulierbare Resultate mit sich. Entweder nicken die Kundinnen dankbar (und kaufen schlussendlich natürlich doch die viel zu kleine Hose!), kriegen einen schrecklichen Wutanfall, sind beleidigt und eingeschnappt und fangen an, mich zu beschimpfen, oder aber, sie ignorieren meine Antwort ganz einfach und fragen stattdessen lieber eine andere Kundin nach ihrer  kompetenteren Meinung. Diese Art von Beratung ist also von Anfang an zum Scheitern verurteilt.

Eine andere und mindestens genauso nervige Sache im Einzelhandelkarusell ist die Nachfrage. „Haben Sie diese Schuhe noch in 38 da?“, „haben Sie auch Hosen mit Schlag“, „haben Sie vielleicht noch ein anders ähnliches Modell?“ „wie viel kostest das?“. Diese Art von Nachfragen führen, bei mir als Verkaufsmaus, erst einmal zu einem freundlichen „einen Moment bitte“-Standardsatz. Denn in 90% der Fälle habe auch ich, als Sechs-Euro Aushilfskraft, keine Ahnung und verschaffe mir mit dieser kurzen Antwort einen Überlegungszeitraum von genau einer Minute. Auch hier habe ich wieder drei Möglichkeiten. Erstens, ich frage (bei einer Kollegin) nach. Das funktioniert nur, wenn eine Kollegin da ist und natürlich wenn diese Kollegin zufälligerweise schlauer als ich sein sollte (was natürlich nur ganz selten der Fall ist!). Dann könnte es immer sein, dass ich dafür einem hämischen Blick ertragen muss, weil ich zuviel frage und zuwenig weiß (was meiner Meinung nach bei einem ständig wechselnden Sortiment quasi unmöglich ist, aber gut...). Die zweite Möglichkeit ist Nachforschen, was heißt, ich stelle den ganzen Landen auf den Kopf um eine Schlagjeans zu finden, ich suche stundenlang nach einem Preisetikett, durchwühle das Lager nach 38er Schuhen und komme niedergeschlagen und völlig fertig auf eine ebenso niedergeschlagene Kundin zurück, die all das auch eigenmächtig hätte tun können. Die einfachste Möglichkeit ist also mal wieder die mit dem blauen Himmel. Fragt mich jemand nach einer anderen Größe sage ich ganz kühn „nein tut mir Leid, da haben wir leider gar nichts mehr von“ (ja, auch die sprachliche Artikulation leidet unter dem Verkaufen!) – Fragt jemand nach einem Preis, denke ich mir den schönst möglichen aus. Natürlich ist diese Methode nicht immer ganz ungefährlich. Häufig entstehen peinliche Situationen („wie jetzt, 5 euro? Ich hab den Gürtel hier schon drei mal gekauft und er hat immer nur vier Euro gekostet!“ „ihre Kollegin hat mir aber gesagt, dass sie den Schuh noch ganz oft im Lager haben...“ und so weiter und so weiter) und dann rettet einen oft nur ein roter Kopf und ein „tut mir Leid ich bin nur die Aushilfe“-Geplänkel. Manchmal rettet einen natürlich auch das nicht mehr und dann brauch man als Verkaufsmaus einen echt knall harten Panzer.

Kommen wir also zum Klientel einer Verkaufsmaus in einem Verkaufsladen der vorwiegend frische chinesische Billigware importiert, einen nur sporadisch deutsch sprechenden Chinesen als Chef hat, der aber nie da ist und von Nichts als vier netten Verkaufsmäusen gehalten wird. Man könnte also wilde Vorurteile über ein Klientel aus Nutten, Zuhältern und Koksbräuten schüren. Aber dieses Vorurteil sehe ich nur zum Teil bestätigt. Denn zwar erschrecke ich als Verkaufsmäuschen immer wieder, wenn sich plötzlich eine Schlägerei zwischen den Kabinen anbahnt oder sich eine der Koksbräute mit ihrer Kleidung unterhält, aber ansonsten wird „unserer Laden“ so ziemlich von jeder Altersgruppe, Schicht und politische Orientierung besucht. Gucci-Taschen werden neben Ed-Hardy Shirts gehalten, Studenten mit „Atomkraft- nicht schon wieder“ Button lehnen lässig neben möglicherweise verwöhnten Gören mit Bootsschuhen und Longschamp Tässchen im Arm, während der FDP Freund ein unterhaltsames Schwätzchen mit seinem alten Schulkollegen hält, der inzwischen ein waschechter Antifa- Aktivist geworden ist. Riesige dünne Mädchen, denen die Größe 32 zu klein ist, fachsimplen mit übergewichtigen Wampenträgern über die aktuelle Mode oder über eine vergeigte Klausur. Alte Omis kommen mit ihrer Großfamilie und vier Generationen an, Single Mütter in Highheels rufen nach ihren wild gewordenen Kindern. Alles scheint möglich, alles scheint ein großer, bunter Haufen zu sein, mitten aus dem Leben gegriffen.

Mein Leben als Verkäufsmäuschen ist anstrengend und an „toten Tagen“ unglaublich langweilig. Dann verstecke ich mich einfach unterm Tresen und stelle mich ebenfalls tot. Manchmal wird man wegen zwölf Euro dermaßen angeschrien, dass man zwar gerne seinen Kopf in ein großes Aquarium stecken würde, aber stattdessen die Nummer der örtlichen Polizei ins Telefon tippen muss. Dann ist es eine echte Genugtuung wenn jemand unaufgesetzt freundlich ist, mit einem redet, einen nicht für ein dummes, billiges Verkaufsmäuschen hält und einem zum Schluss einen schönen Tag wünscht. Mehr nicht.   




______________________
Und die Moral von dieser (längst verdrängten) Lebensabschnittsphase: sei immer nett! Auch zu stinkenden, Chinaklamotten-tragendenden Verkaufsmäuschen auf zu hohen Schuhen!

Mittwoch, 2. April 2014

talking about… KÄSE!


Während ich schreibe, arbeite ich mich gleichzeitig an meiner Käsigkeit (gerne auch betont als Keesigkeit) ab. Ich verwandele mich von Käse zur oliv-braun gebrannten Studentin, die in letzter Zeit eher durch ihre Vollzeitbeschäftigung bei Umzügen auffiel (bzw. umfiel), als sonst irgendwas mit ihrem eignen Leben anfing. So liegt sie eben hier draußen - faul und dampfend - und arbeitet sich, im Blick immer auch die große, bedeutungsschwangere Zukunft (und Achtung wortwitzige, sich wiederholende Übergänge), an ihrer Käsigkeit ab.

Unter Käse versteht man ein Lebensmittel oder eine Speise, welche man aus einem Milchprodukt gewonnen hat. Oder so etwas wie Quark, insbesondere in Form von Käsekuchen oder Torte. Oder so etwas wie Quark im übertragenem Sinne. Außer lächerlichen Hirngespinsten und großem Kopfkino, haben Käse und ich auf den ersten Blick nicht besonders viel gemeinsam. Spekulieren könnte man noch über ein so genanntes Dreikäsehoch, ich sage aber: diese Bezeichnung ist bei meinem Alter, den ganzen Falten und Runzeln, nicht mehr zulässig. Hinzu kommt vielleicht die Farbe: noch ziemlich käsig eben und die Füße. Die sind... naja egal!

Unterscheiden lässt sich (unter anderem) zwischen Bergkäse, Schweizer Käse, Hartkäse, Weichkäse, Frischkäse, Fetakäse, Schmelzkäse oder dem alt bekannten Analogkäse (der natürlich besonders schmackhaft ist!). Käse gilt (zumindest bei mir und in meinen sozialen Kreisen), anderes als Wurst, als Grundnahrungsmittel, Aufheiterungsmaßnahme und Zwischendurch-Snack. Aber auch als Delikatesse und Indiz der sozialen Schicht. Man könnte so weit gehen und sagen Käse sei Prestigeobjekt! Getreu dem Motto: der mit dem Besten Käse hat am wenigsten finanzielle Sorgen oder hat zumindest außerordentlich sinnvolle Prioritäten gesetzt. Denn guter Käse ist teuer und nie hat man (zumindest ich) den Lebensmittelpreisanstieg so gut wie beim Käse mitverfolgen können. Ein Pack Gouda ist von 1,49€ auf stolze 2,10€ gewandert – der selbe schlichte Käse versteht sich. Das heißt auch, harte Monate kommen auch mit der 1,70€ teueren Schnittkäse-Mische einher oder wenn es verdammt hart kommt, mit ner Packung Frischkäse für 0,60€! Bröselig und völlig uncremig! Da Lob ich mir doch die gute alte Zeit, in der ich samstagmittags einen Zehnmarkschein von Papa in die Hand bekam und erstmal einen Abstecher in die Käseglocke machte. Junger Pecorino war damals mein ganzer Stolz. Heute freue ich mich schon über jedes halbwegs gut aussehendes Käse am Stück!  

Mit dem Käse ist es wie mit der Fleischwurst! Schreibt man darüber, will man nicht nur nicht mehr käsig sein, sondern auch noch nichts sehnlicher als ein Stück jungen Pecorino, der zusammen mit einer Scheibe frischem Weißbrot und einem fruchtigen, aber trockenem Weißwein vom Himmel fällt! Sich dann auf der Picknickdecke ausbreitet und niemals leer wird! An dieser Stelle mag man mir vorwerfen überheblich und versnobt zu sei, es mit den Ausrufezeichen zu übertreiben und das, was bei Fleischwurst irgendwie noch hipp war, völlig überzubewerten, aber das ist mir am Ende wie immer völlig Wurst wie Käse. Denn mit Sprichwörtern kann ich noch weniger als sowieso schon und so was wie „alle Spatzen sind schon weg“ macht sich nun mal einfach viel besser als „der Käse ist schon gegessen“. Hat aber scheinbar die total gleiche Bedeutung - naja zumindest entfernt. 


_______________________

auf der Picknickdecke hört man (mit brummendem Bauch und schon wiederkaputten Kopfhörern): Das!

Dienstag, 25. März 2014

talking about… Fleischwurst!

Parallel zur (Gott sei Dank!) noch nicht vollendeten Marbosch-Serie und ebenfalls nicht weiter thematisierten How not to get lost Abhandlung (mein Blog ist bekannt für seine leeren Versprechen!) startet heute - völlig out of the blue - eine neue, innovative und wichtige Wortansammlung zum Thema meines Herzens: dem Essen. Ich gebe ihr den gesellschaftskritischen Namen "talking about…" und leite sie mit dem relevanten Gegenstand der Fleischwurst ein. Amen.

von kleinen Würstchen und dem ganz großen Wurstebrei


Ich habe Heißhunger auf Wurst! Auf eine billige fette Fleischwurst, die einem den ganzen Tag immer wieder hochkommt und den Atem zumindest für einen Tag versaut. Stattdessen sitze ich hier im Seminar und muss darüber schreiben. In meinem Kopf schwirrt eine Masse aus zusammen gestückeltem, wahrlosem Abfall – ein klassischer Wurstebrei!

Wurst ist ein Lebensmittel das aus Fleisch gewonnen wird. Hauptsächlich aus Schwein, Rind oder Kalb, aber auch aus Lamm, Geflügel, Wild oder Pferd besteht. Klar, wer kennt sie nicht, die Debatte um die gute alte Pferdewurst. Und die banale Konsequenz die daraus entsteht, bei der ich nie so ganz schließen konnte, ob sie nicht eigentlich ironisch gemeint war: „In dieser Wurst finden sich garantiert nur Reste von Schwein wieder“... Ich schweife ab. Die Tiere werden also zerhackt, zerkleinert, geschreddert und durch den Fleischwolf gejagt, mit Gewürzen versetzt und in einen Tierdarm gepresst. Fertig ist die Wurst, wie man sie kennt.

Viel interessanter wird es jedoch, wenn man sich im weitesten Sinne den Würsten widmet. Den armen und kleinen Würstchen, den Hanswursten und beleidigten Leberwürsten. Der Wurst wird also eine enorme gesellschaftliche Bedeutung zugeschrieben, die mir so nicht klar war: Es geht um die Wurst. Das meiner Heimatstadt Gießen sogar ein Wurstsong gewidmet wurde, gibt der Wurst (oder Woscht wie der Hesse sacht!) eine ungeahnte Diskurs- und Bedeutungsmacht. Die Frage ist: woher kommt es, das Menschen, ja ganze Städte, mit Würsten verglichen werden? Ist dies - im Land der tausend verschiedenen Würste - ein vornehmlich deutsches Phänomen? Immerhin hat quasi jede zweite Stadt Deutschlands eine eigene, ganz besondere, Wurst. Eine ganz eigene, speziell entwickelte, die aus irgendwelchen Gründen bedeutsam zu sein scheint. 

Am Ende jedoch Ernüchterung. Sowohl die Frankfurter als auch Nürnberger schmecken irgendwie gleich und das selbe Gefühl von Überfressenheit, Fett und Salz kommt einem den ganzen Tag über, immer wieder, hoch. Irgendwas zwischen dekadent und ekelerregend. Klar, irgendwie kann man da einen gesellschaftlichen Vergleich ziehen. Es scheint also auch nicht abwegig, dass es hauptsächlich verachtende Anspielungen sind, mit denen wurstähnliche Menschen – die entweder besonders klein, arm dran, beleidigt oder sonst irgendwie eigenartig sind -  beschrieben werden. Um diese Phänomene näher zu untersuchen bietet sich zwar ein einfaches googlen an, führt aber zu nicht viel. Außer vielleicht, dass man jede Menge Zeit auf den endlosen Wurst-Blogs dieser Welt verbringt und sich am Ende über gar nichts mehr wundert. 

Die Wurst hat irgendwie zwei Enden, wird besungen, diskutiert und schwer gefeiert, aber niemand weiß eigentlich, was das alles zu bedeuten hat. Bei Wurst hört der Spaß auf, bei Wurst streiten sich die Geister.Ist aber auch völlig Wurst!