Montag, 18. Dezember 2017

Prä-Besinnliches, Raw und ohne Zucker



Achtung: erst ein loser Text (siehe gleich) und später dann jede Menge Gelaber in Form eines langatmigen Empfehlungsschreibens (siehe weiter unten). Ob das passt oder angemessen ist? Fraglich. 

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Ich möchte es wieder ganz-renovieren. Mein Leben im Ganzen betrachten. Als Dirigentin der eigenen Gedanken alle Spuren der Zeit zusammenkleben und die verstaubten Notizen im Schrank neu beleben. Ich hatte da einen Plan im Kopf. Einen, der vorsieht alles neu zu gestalten, einen der darauf aus ist erfolgreich Dinge zu perfektionieren und einen, der Puzzleteile zu einem sinnvollen Konstrukt werden lässt. Dazwischen kratze ich mir den Kopf auf. Und meine Ohrmuscheln. Wieso es überhaupt an solch absurden Stellen juckt, bleibt zweifelhaft. Dazwischen herrscht außerdem Leere und ein leichter Titus, der wie leichtes Meeresrauschen im linken Ohr – das von mir bisher noch einigermaßen verschont geblieben ist – summt. Ich denke auch daran in diesem Rauschen zu versinken und ganz langsam in diesem Meer aus Möglichkeiten zu ertrinken. Ich habe darin gewissermaßen Übung und schwanke zwischen grandiosen, neuen Ideen und extremem Leerlauf. So laufe ich irgendwie blind und tapsig über loses Fundament und hoffe dabei Neues zu entdecken.

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Während, vor und nach dem (vermeintlich) zuckerfreien Weihnachtsschmaus höre ich - mit wärmster Empfehlung - in Endlosschleife übrings:
- Sophie Hungers "House of Gods"
- Me and my Drummers "You Are A Runner"
- Daughters "Don't Care"
... und natürlich Coldplays "Rush of Blood to the Head" Album von 2002 (Whaaat?), schreibe statt Masterarbeit fleissig über den fraglich-sinnvollen, aber aktuell-aktuen Leerlauf, den Zustand zwischen vor und während dem präs-besinnlichen Virus und schlafe eigentlich den Rest der Zeit, so dass es ständig schrecklich dunkel ist. Darüber ärgere ich mich hin und wieder auch ganz schön, halte mich dann für undankbar und wehleidig und drehe mich dann wieder um und nicke friedlich ein. Natürlich, alles ein bisschen übertrieben und im Sinne der dichterischen Gestaltbarkeit, dennn zwischendrin habe ich durchaus auch Zeit für Serien, Hörbücher und Bücher, das ein oder andere Café -Date und exkessive Back- und Kochsessions, allerdings mit geringfügigem Erfolg, so dass ich hier nur (wärmste) Serienempfehlungen für (kalte) Tag-Nacht-Zustände aussprechen und Bücherempfehlungen abgeben werde, aber kein Bild von meinen zuckerfreien Plätzchen zeige

Also da wären zum Beispiel:
- Startup: hauptsächlich wegen Adam Brody (California, here we come!) angefangen (haha), aber dann war es ganz gut (auch so) zum weitergucken. "Holmes" spielt übrings auch mit
- Mindhunter: David Fincher erzählt die Anfänge des Profiling in den 70ern und das 'Verstehen-wollen' von Serien Killern in den USA mit all ihren Abgründen und Falltüren.
- This is us: verschobene Zeit- und Erzählebenen machen den Reiz der ansonsten doch sehr stereotypen und kitschigen amerikanischen Familienserie aus. Richtig schlimm fand ich nur die schlecht geschminkten Masken von Mandy Moore als Oma, ansonsten hat die Serie alles um das Krank-sein für eine Staffel zu vergessen. 
 - The Marvelous Mrs. Maisel: eine Frau in den 50er Jahren in NYC auf der Suche nach ihrer gesellschaftlichen und beruflichen Rolle, mit viel Witz und Charme. Love Rachel Brosnahan! 
- The Sinner: mit Jessica Biel in der eskalierenden Hauptrolle, schwächelt zwar am Ende, hat aber großartige Momente und gruselt dabei immer ein bisschen.
- Halt and Catch Fire: meine neuste Amazon-Entdeckung und schon wieder eine Geschichte, die in der Vergangenheit spielt (scheint gerade hip zu sein): diesmal die 80er im Zusammenhang mit dem Aufkommen von Personal Computers und großen Ideen, ein bisschen Love und ganz viel Drama ist natürlich auch dabei. 
- 4 Blocks: ich mag sowohl Kida Khodr Ramadan als auch Frederick Lau in ihrem Gansta-Paradies Neukölln. Kann man mal gucken. 

Zu meiner Konsum-Verteidiung: ich lag 2 Wochen komplett im Bett. Aber so richtig erklären kann ich mir dieses Suchtverhalten trotzdem nicht. Wahrscheinlich ist es wie mit dem Schreiben - plötzlich stehen da all diese Buchstaben! Und damit niemand glaubt, ich würde nur glotzen, hier noch schnell meine literatischen Hightlights der letzten Monate (wenn ich nicht binge watche oder lese,  spiele ich nämlich auch gerne Denis Scheck!) 
- "Leere Herzen" von Juli Zeh: Gesellschaftkritik in Juli-Zeh-Romanform. Nicht so wahnsinnig gut wie "Unterleuten", aber durchaus sehr gut.
- "Die Hauptstadt" von Robert Menasse: ein Roman so verworren wie das Leben und gleichzeitig interessant und sehr klug.
- "Selbst Denken" von Harald Welzer: am Anfang dachte ich noch "ich kann das Buch nicht lesen, das macht mich depressiv", dann wurde es aber doch noch konstruktiv. Grundsätzlich ist selbst denken halt sehr anstrengend, aber nützlich. 
- "Untenrum frei" von Margarete Stokowski Sehr lesbarer, lustig und ehrlicher Feminismus!
- Elena Ferrante-Stoff 1-3 für eine kleine Weltreise, macht süchtig und lässt einen alles um einen herum vergessen. 
- "Leben" oder "Träumen" von Karl Ove Knausgard: Dicke Schinken mit wenig Handlung, aber perfekter, melancholischer Abtauch-Atmosphäre.
- "Einfach Holz" von Antje Rittermann: Und am Ende noch mal was mit Holz, klar. Bestes Inspirationsbuch so far, für alle die gern Holz von der Straße sammeln und damit ein Schloss bauen wollen. 

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halleluja! Was ihr essen dürfst bleibt natürlich euch selbst überlassen. 
Nur halt ohne Zucker, und Raw. Hauptsache Prä-Besinnlich. Ende Gelände.  

Freitag, 10. November 2017

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Heute: Novemberblues trifft manisches Produktionswesen und zeugt ein abgedrehtes Kind mit ihr. Hoppla.


Ein gefundenes Fressen, ein Rollenspiel bei dem die Rollen unklar verteilt sind. Eine unklare Struktur, in gut organisierten Haushalten, so wie meinem. Wo immer alles aufgeräumt ist weil ich mal gelesen habe, dass sich der äußere Umstand auch auf das Innere überträgt. Weil ich immer wissen will wo ich was finden kann. Ich suche einen Schneebesen, ich weiß wo er zu finden ist. Ich suche einen Konflikt, dann eine Lösung, ich weiß wo beides zu finden ist. Normalerweise. Heute befürchte ich, nicht mehr zu wissen wo meine Socken sind. Es herrscht Chaos und ich bin kurz davor die Kontrolle zu verlieren. Es ist so wie kurz vor einem Sturm, still und leise und irgendwie surreal. Also mache ich das was ich immer tue wenn ich das Gefühl habe ich verliere die Kontrolle: ich schlafe. Ich verschlafe den halben Tag, die halbe Woche, gefühlt den ganzen November. Davon sehe ich ganz müde und zerzaust aus – irgendwie auch harmlos und wie ein kleines Mädchen -, aber in Wirklichkeit sind das die ersten Anzeichen akuter Chaos-Symptome. Dass ich fange Dinge zu verlieren und Verabredungen vergesse auch. Ich weiß nicht mehr welches Datum heute ist und morgen sein wird. Welcher Wochentag und ob ich einkaufen gehen kann. Dann stehe ich im Flur und weiß nicht warum. Dieser Zustand kann wie Milch jeder Zeit kippen. Ein gefundenes Fressen für alle meine Hater, denke ich und meine damit hauptsächlich mich. Ich denke, so will ich das nicht und dennoch, so ist es. Ein Rollenspiel, dass zwar reflektiert und einstudiert ist, aber ich vergessen habe, welche Rolle noch mal meine war. Ob jetzt lachen oder weinen sollte, ob ich jetzt sagen sollte „ja genau darauf habe ich gewartet“ oder ob es war „stopp, so nicht mit mir“. Und plötzlich wirkt mein Haushalt so wie der von anderen: von Außen irgendwie aufgeräumt, von innen aber wie bei Hempels unterm Sofa.

Und dann immer dieses Durchschauen. Ist anstrengend und kostest mehr Kraft als ein paar lächerliche Sit-Ups. Und immer diese Aufmerksamkeit. Geschenkt und Beansprucht. Ebenso zweifel- wie zwanghaft. Und immer dieses Reflektieren. So als müsste ich zu einem Point of Erkenntnis gelangen wo ein kleiner Schatz auf mich wartet, der mir dann zu meiner Großspurigkeit gratuliert. „Herzlichen Glückwunsch“ und „von hier geht’s nur noch abwärts“. Oder „Herzlichen Glückwunsch, Sie haben endlich mal ihr Tagespensum geschafft“. Einmal. „Jetzt heißt es weiter ranklotzen und nur nicht aufgeben“. „Immer schön weiter in den Kopf verziehen“. Wahrscheinlich würde der Schatz mir dann freundlich auf die Schulter klopfen und auf den Weg der Erkenntnis zeigen. Der so steil nach oben geht dass mir schwindelig und ich kotzen würde. Und zack, hätte der Schatz kein Bock mehr auf Schatz-sein und würde fortan nur noch Fehlinformationen liefern und wilde Spekulationen. 
Also doch lieber umdrehen, weiterschlafen und den November gezielt ignorieren.  Mit seinen traurig-nassen Nebelschwaden, seinen fadenscheinig leeren Argumentations-und aneinandergereiten Symtomketten sollte der lieber draußen bleiben und nicht meinen Kopf ukupieren. Denn alles was dann entsteht ist ein abgdrehtes Kind. Eins das Chaos macht! "Aber ich fürchte dafür ist es jetzt zuspät". Sagt jemand, der gerade etwas zu fressen fand.

Montag, 21. August 2017

How to get lost ...in your head!

Aufpassen und durchatmen, denn Achtung: übertriebenes Grumpy Cat in the house! 



Ich spiele mit dem Feuer, während mein linker Fuß aufgeregt zuckt. Ich spüre schon ein Brennen, aber aufhören will ich auch nicht. Wieso sollte Selbstzerstörung nicht ein genussvoller Zeitvertreib sein? Warum sollte ich – kurz vorm Verglühen – einfach aufhören? Ich rauche eine Zigarette um mich vom langsam überrollenden Schmerz abzulenken, aber nichts könnte das Nichts betäuben. Versunken in alten Kisten und Kammern meiner Seele suche ich nach Antworten auf die ich keine Fragen habe, suche ich nach Sinn und vor allem nach Halt. Als würde man so was im Staub finden! Mein Kopf rattert und scannt Erlebnis für Erlebnis wie Barcodes ab. Immer wieder ploppen Fenster auf und ich merke, dass mein Adblock bereits aufgegeben hat. Ich werde voll gespamt und kann nichts anderes tun, als mich voll und ganz drauf ein zu lassen. Irgendwann werde ich unter einem riesigen Berg Müll aufwachen und auch nicht mehr wissen. Dieser Müll ist nicht mal sortiert, er stinkt und erinnert mich daran wie wichtig Umweltschutz ist. Aber was ist schon wichtig, wenn jeder Zeit alles explodieren könnte? Und ich spreche jetzt nicht nur von dem Chaos und Wirrwarr in meinem Kopf, von den viel zu warmen und den viel zu kalten Tagen, vom Gefühl überrannt und übermannt zu werden. Nein, ich spreche jetzt von realitätsnahen Szenarios.

1. Ich schreibe hundertausend Wörter leeren Inhalt, beherrsche zwar inzwischen ein bisschen Kommasetzung, aber das war's dann auch schon. Meine hundemüden Finger tippen monotone Gedanken in Worddokumente, die alle paar Minuten abstürzen, während die "Life sucks" Playlist nicht mal mehr laden will. 

2. Wenn ich Glück habe und bald Seitenweise produzierte und abermals reproduzierte Inhalte gespeichert, ausgedruckt und eingereicht habe, steht meinem Abenteuer Masterabschluss nicht mehr viel im Wege. Außer der Masterarbeit ansich natürlich. Dieses - bisher unangetaste Werk - wird niemals das wiederspiegeln was ich Jahrelang gemacht habe (was ich alles an gefährlichem Halbwissen angehäuft habe!) Nein, es wird nicht mal wiederspiegeln was ich das letzte Jahr gemacht habe! Dafür müsste ich viel eher mein Tagebuch publizieren, was allerdings ebenfalls lückenhaft und wahrscheinlich eine ebenso bekloppte Idee wäre. Aber, ich wäre endlich fertig

3. Zack, ich wäre fertig und hey, das Leben läge mir natürlich zu Füßen. Mir würde nicht mehr viel bleiben, als darauf rum zu tanzen, zu trampeln und hier und da ein bisschen ein bisschen zu hüpfen. Natürlich, ich würde erst einmal ne ordentliche Post-Master-Krise entwickeln, so wie sich das gehört. Und dann doch lieber noch ein bisschen eingeschrieben bleiben, denn was ich mit Soziologie, Kulturwissenschaft und all dem anderen Kram  - außerhalb von gefährlichen Diskussionen - anfangen soll, konnte mir bisher noch niemand erklären. Aber, ich könnte endlich, endlich mal Bestseller-Autorin werden. Denn hey, davon wurde ich ja bisher - pausenlos - abgehalten. 

4. Bisher habe ich mir nur meinen dramatischen Mikrokosmos angesehen und all das wirkliche Leid völlig ausgeblendet. Denn worüber man sich sonst noch so aufregen oder wirklich Gedanken machen kann ist offensichtlich. Offensichtlich leben wir in einer sich selbstzerstörenden Welt, wie passend. Alle erzählen dir zwar immer, du sollst du dich auf das Positive konzentrieren und dein Hirn anstrengen damit DU DEIN LEBEN wenigstens ein bisschen schön gestaltest, aber eigentlich heißt das auch zu vergessen wieviel Scheiße um dich herum passiert. Und eigentlich meint das auch, dass du dich permanent ändern sollst und eigentlich bedeutet das auch, dass jede und jeder seines Glückes Schmied ist. Im Umkehrschluss: Du bist selbst Schuld, wenn dir nicht das Glück aus dem Arsch strahlt. Denn mit ein bisschen mehr positiven Afirmationen, kreativen Mind-Sets, ein bisschen Charken-Öffnung und Glauben wäre die Welt ein wunderbarer Ort. Zumindest für dich. Klar, in die Falle tappe ich auch andauernd. Aber gesellschaftliche Partizipation und Weltveränderung passiert so logischerweise auch nicht

5. Und ich tappe in die Falle. Konzentriere mich wieder nur auf mein Kopfkino, dass nichts mit all dem zu tun hat. Und sich dennoch im Kosmos verliert wie ein kleiner Funke, der vom loderenden Feuer weg springt. Durch das Aufschreiben zerstört sich die Selbstverstörung und die Müllberge werden langsam den Standards entsprechend sortiert und recycelt

Der linke Fuß zappelt nicht mehr und ist inzwischen wieder taub geworden, von der Zigarette ist nur noch die Glut ürbig geblieben, kein Schmerz, kein Feuer. Versunken liege ich zwischen riesigen Bergen Büchern, Post-its und kaltem Kaffee und stelle fest, dass ich noch immer auf einen Bildschirm voll Nichts starre





Donnerstag, 15. Juni 2017

Zur allgemeinen (Wohnungs-)Lage:

Nein, ich korrigiere: Plage. 
Die allgemein hingenommen und gleichzeitig allgemein verabscheut wird. Und meine persönliche (höchst dramatische!) Story dazu. 

Ich stehe in einem Kellerloch, das nach Kellerloch riecht und frage, wie es denn so mit Schimmel sei. Kein Problem, bekomme ich als Antwort. So lange man nur alle Möbel einen halben Meter von der Wand abrücken würde. Ich betrachte argwöhnisch den Raum und stelle fest: alle Möbel befinden sich eigentlich in der Mitte des Zimmers. So lange man nur genug heizen und genug lüften würde. Man gewöhnt sich ja immer schnell an Alles, sage ich nüchtern und betrachte den Schlauch an Wohnung. Immerhin gibt es eine Küche, immerhin passt ins Schlafzimmer ein Bett. Immerhin. Alles keine Selbstverständlichkeit, alles schon gesehen. Ich erzähle dem im Grunde recht netten Typ von der Wohnung mit Schlafzimmer, in der kein Bett der Welt gepasst hat. Wir schimpfen eine Weile über die allgemeine Wohnungsplage. Dann verabschiede ich mich und trete – durch eine doppelte Pressspantür - aus dem Kellerloch in den tatsächlichen Fahrradkeller. Ich stolpere die Treppe hoch und atme erst einmal durch.

Nach fünf Wohnungsbesichtigungen fühle ich mich als bräuchte ich erst einmal eine Woche Spa-Urlaub und Asthmaspray. Bisher hatte ich wohl einfach immer ziemliches Glück gehabt und schnell ein WG-Zimmer gefunden. Klar, ich bezahle gerade auch nicht gerade wenig für meine schicken zwei Zimmer in meiner 150qm Altbau-WG. Klar, ich bin verwöhnt, in jeder Hinsicht. Und dennoch sehe ich nicht ein, in eine Zweizimmer-Schimmelbude zu ziehen! Und das für 700€ Warm.

Wohnungsbesichtigung Nummer neun, ich bin fünf Minuten zu früh, die Wohnung ist wieder Paterre. Ein ganz schlechtes Omen. Das „zweite Zimmer“ welches ich soeben betreten habe, ist in Wirklichkeit eine kleine dunkle Küche. Kann man ja so oder so verstehen, gibt der Vermieter mir ein wenig kleinlaut zu verstehen. Im anderen Zimmer gibt es nicht mal ein Fenster. Kein Keller, kein Balkon, kein Garten, kein Bad mit Fenster. Ich sage freundlich, dass ich mich besprechen und dann wieder melden werde. Ich schätze jedoch mein leicht säuerliches Gesicht hat bereits allen Beteiligten klar gemacht, dass ich lieber zu meinen Eltern in den Garten ziehe, als in diese fensterlose Miniaturbude. Dennoch lasse ich mich breit schlagen, mir auch noch nen Ort für die Waschmaschinen zu zeigen. Eigentlich das Beste an der ganzen Wohnung! Denn so sehe ich wenigstens noch nen wahrscheinlich mehrere Jahrhundert alten Gewölbekeller. Interessant ist es schon, murmele ich, während der Vermieter mich leicht ungläubig an sieht.

Nach zehn Wohnungsbesichtungen bin ich nur noch frustriert. Bisher haben wir nur zwei Wohnungen überhaupt zugesagt und warten seit dem im Hold-Modus auf Resonanz der Vermieter. Insgeheim haben wir beide Wohnungen schon komplett eingerichtet, wieder ausgeräumt und umgestaltet. Theoretisch habe ich bereits den jeweils passenden Tisch bei Ebay Kleinanzeigen gekauft, praktisch habe ich jede Nacht von der Plage geträumt. Inzwischen halte ich alles für verhextes Schicksal und entweder für ein großes, sehr ungerechtes Unglück, für eine Bestrafung oder für schlechtes Karma. Natürlich ist das völlig überzogen und angesichts der Weltlage völlig unangebracht, aber so ist es nun mal. Ich verzweifle aus folgenden Gründen: der Tatsache, dass ich andauernd mit meiner Zukunft und den dazugehörigen sehr realen Ängsten konfrontiert bin. Dass ich andauernd beweisen muss, warum ich die Richtige für diese bescheuerte Wohnung sein soll. Was die „richtige“ Wohnung für mich ist. Wie ich mich präsentieren muss, um die „richtige“ Wohnung zu bekommen. Wann ich was wie weglassen und was ich wie wann erwähnen sollte. Was für Rechte und welche Pflichten ich habe wenn ich einziehen darf. Die ganze Abhängigkeitsscheisse eben. Wie viele Kompromisse ertragbar und wie viel Raum nötig ist. Wie viel Platz ausreicht. Dazu kommt, dass nicht nur ich entscheide, sondern wir. Wir sind ganz neu in diesem Metier. Aber, wir sind ja stark. Donnerstag um halb neun flattert dann ein Mietvertrag rein.  Einfach so, zack, hängt er als Attachment in der Mail. Ganz ohne Vorwarnung, ganz ohne Schnickschnack. Im Kopf waren wir längst wieder raus, wo anders, in Gedanken, bei Alternativen und im ständigen Such-Rausch.Nach zerissenen Gefühlen, ambivalenzen Tendenzen, einer Pro- und Kontra-Liste (ich hätte Niemals gedacht wie spießig ich geworden bin) und ein paar Pseudobesichtigungen haben wir zugesagt. Ohne das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben, aber mit dem Gefühl, keine Energie mehr für die Suche nach dem "Richtigen“ aufbringen zu können. Uns dem Wohnungsmarkt zu opfern, wie alle anderen auch. Im Rahmen der Möglichkeiten und so, dass unsere Ansprüche einer zentralen Wohnung erfüllt sind. Wenn also alles gut geht, haben wir also bald eine kleine gemeinsame Wohnung. Zwei Zimmer, Küche, Bad und ein kleiner Balkon. Genauso wie AnnenMayKantereit und ich es mir gewünscht hatten. Nur eben kein Altbau, nur eben Plattenbau. Grau und hässlich- jedenfalls von Außen betrachtet. Wir werden es liebevoll ‚die graue Platte’ nennen. Und wie gesagt, man gewöhnt sich ja an alles sehr schnell.
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Happy End der Story und (fast so) grün: unser 5qm2 Balkonien!
Eigentlich wollte ich den Eintrag längst posten, hab es aber vergessen, verdrängt oder mich vielleicht nicht getraut. Drei Monate später kann ich sagen: Die graue Platte (die ich nie mehr als solche - sondern höchstens als Bettonklotz oder Bunker - bezeichne) und ich sind gute Freunde geworden. Um uns herum ist inzwischen ein tropischer Regenwald gewachsen, auf dem Balkon luken die Tomaten inzwischen über die Ballustrade und Fangen (im Kreis!) kann man auch ganz wunderbar spielen.

Montag, 27. Februar 2017

Don't mess with me or my Jutebeutel!


Du spürst diese unbeschreibbare Wut im Bauch, von der du bisher nur vom Hörensagen gehört hattest. Du schüttelst zwar immer wieder deinen Körper, so als könntest du die Plage noch von dir weisen, aber du bist eben kein verfickter Neoprenanzug. Du bist auch kein Roboter oder eine grummelige Katze, die mal eben abhaut wenn ihr alles zuviel wird und erst dann wieder auftaucht wenn sie hungrig ist. Dein Bauch knurrt bereits und du bist auch nur jemand, der an der Ampel steht und angestarrt wird. Die Wut kriecht dir am Kinn hoch, direkt in deine Stirnfalten hinein. Sie hat keinen Namen, kein Gesicht, sie taucht auf wie ein kleiner Orkan und kribbelt ein wenig im linken Knie. Neben dir lehnt eine Frau auf einem schwarzen Fahrrad und verzieht das Gesicht. Was ist los? Denkst du. Du bist auf Krawall gebürstet. Du denkst, heute ist der Tag, an dem dir Mayonnaise auf der Nasenspitze hängt und niemand dir davon auch nur ein Sterbenswörtchen berichten wird. Du denkst, heute wirst du für deine bloße Existenz angemacht. Entscheidungen werden sich zu Fehlschlägen entwickeln, die dir noch dein ganzes Leben nachhängen werden. Der wild gewordene Orkan wirbelt dir durchs Haar und lässt dich – wie ganz aus versehen – eine Haarsträhnen inhalieren, so dass du denkst, du könntest ersticken. Du hustet kurz. Die Frau starrt dich weiter an. Was zum Teufel ist los? Du drehst dich etwas weg, nur um dich umso schneller wieder umzudrehen und diese Erscheinung ebenfalls abfällig zu mustern. Sie sieht weder alkoholisiert, noch verwahrlost, noch irgendwie besonders aus, außer vielleicht, dass sie eine übertrieben sportlich wirkende Sonnenbrille -bei fast bis gar keiner Sonneneinstrahlung- trägt. Sie schaut genauso herablassend wie du sie kennen gelernt hast und murmelt kaum hörbar und doch deutlich „Ich glaube nicht, dass DU weißt, was Surrealismus bedeutet“. WAS IST LOS? Du schnappst hörbar –viel zu laut- nach Luft. Presst deinen neu erstandenen Surrealism-Dali-Beutel wie ein Schutzschild vor allem Bösen an deinen Körper und hältst ihn ganz fest. Das Ding hatte 5,99€ gekostet. Dali ist dort -ein bisschen verfremdet -und mit einem überdimensionalen Phallussymbol als Nase ausgestattet abgebildet. Jedenfalls hatte dein Prof. dich direkt daraufhin gewiesen. Er hatte dich deshalb extra wieder in die Bar zurück zitiert. Schon damals beschlich dich das ungute Gefühl, hier wolle dir jemand deinen Beutel schlecht machen, aber du hattest dich, nach einem kurzen Moment der Empörung, wieder besonnen. Jeder Mensch brauch mal einen Jutebeutel, hattest du dir gesagt. Und noch einen und noch einen. Still und heimlich und nach mehrmaligen herum schleichen hattest du dich im Reina Sofia dafür entschieden. Du magst ja auch manche Dali-Werke und Surrealismus ist immerhin kein Fremdwort für dich, hattest du dir eingeredet. Auch wenn du kurz überlegt hattest lieber den Picasso oder Frida Kahlo Beutel zu nehmen. Oder alle. Aber dann fandest du die Dali-Darstellung irgendwie am Lustigsten. Und jetzt blätterte die ganze Fassade! Wildfremde Menschen beleidigten dich an Ampeln, hielten dich für unkultiviert, dumm und unüberlegt. Du bist zu einer Salzsäule erstarrt und der Orkan tobt einmal durch deine Eingeweide, während die Frau um die Fünfzig dir eine dämliche Grimasse hinhält, die vermutlich so etwas wie „Ätsch“ ausdrücken soll. Vielleicht kommt sie gerade vom Fasching, hoffst du. Oder es liegt an deiner Spange im Haar und weil du aussiehst wie zwölf. Dein Auge zuckt nervös, aber du bist unfähig etwas zu sagen. Du kannst es nicht fassen, aber die Dame im Radio hatte es bereits heute morgen angekündigt. „Skorpion: Überlegen sie gut ob sie heute vor die Tür gehen und wenn, machen sie sich auf Einiges gefasst.“ Hatte sie völlig lustlos nach der Waage getönt und du hattest nur mit den Augen gerollt. 



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Post-Exkursions-Traumata haben es in sich.

Montag, 30. Januar 2017

I call it a nonsense-poetry-experience

   
Wir ziehen an Haaren so, als gäbe es etwas, was irritieren könne. 
Blauwale und Trinksprüche. 
Müde Gedanken und Lebenssinn.
Warten auf Erlösung und den richtigen Moment.
Spalten und teilen.
Die Parallelwelt. Nicht unsere.
Dissoziieren. 
 
Mut zur Distanzlosigkeit.
Wir liegen umschlungen.
Wie Ying und Yang in einem Reagenzglas.
Wie Bonny und Clide im Fegefeuer.
Wie Hungernde im Schlaraffenland.
Wie Milch in Backhofen.
Spielen wir Leben. 


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Vorhaben für dieses: auch sowas darf sein. Mein Blog, meine Experimente. Januar in einigen Worten: zäh, zaghaft, kalt, schwach und ganz schön launig. Vorsichtiger Optimismus was Februar angeht. Vorsicht vor der Wildkatze!

Dienstag, 10. Januar 2017

Ausnahmezustand im Primatengehege?


Nach langer Abwesenheit starte ich meinen Blog ins neue Jahr auf gewohnt überfordernde Art und Weise, mit genauso vielen Rechtschreibfehlern wie sonst (aber in Arial) und natürliche einer großen Portion viraler Hartnäckigkeit und leicht pessimistischer Verstimmung. Meine heutige gesellschaftskritische Überlegung/ Frage: sind wir* ein Haufen seelenloser Primaten gefangen in einem Zoo aus Möglichkeiten? So weit so leicht beantwortbar (aha). Natürlich brauchen wir (unbedingt) erst einmal ein kleinen Abriss mit eingespickten Gesellschaftsdiagnosen. Denn ohne die genauen sowie generellen Umstände kann wohl niemand zu einem Urteil kommen (ha, what?). 
Zum einen haben wir Handlungsspielraum en masse. Haben die Möglichkeit unser Selbst in Anlehnung an unsere perfektionistischen und Konsum-orientierten Vorstellungen zu modifizieren. Angepasst an ein Ideal, das eine grenzenlose Optimierung des eigenen Kapitals verspricht. Ganz nach dem Motto: alles was ne Macke hat, wird direkt umgetauscht. Der Anschiss dafür geht auch direkt an den Produzenten; die vietnamesische Näherin, die gerade einen Lungenentzündung verschmerzen muss und deshalb unachtsam war, nicht an die Komsumierende, deren BH ein Loch ins Fünf Euro T-Shirt gerissen hat. Umso länger die Produktionskette umso länger die Liste der Verantwortlichen umso länger die Möglichkeiten der Ausbeutung. Wir sind gierige, verwirrte Seelen, die in einem T-Shirt eine mögliche Bedürfnisbefriedigung sehen, in einem gutes Essen, aber so etwas wie einen potentiellen Feind. Es könnte das T-Shirt sprengen und wir wären verantwortlich. Überhaupt, wir sind ungern verantwortlich.
Wir haben weitere Objekte mit denen wir uns viel beschäftigen, die eigentlich wir selbst sind. Wir sind Körper besessen bei gleichzeitiger Körperlosigkeit.  Oft haben wir das Gefühl, es existiere nur noch Geist in einer theoretischen Hülle, die funktionieren muss. Nämlich alles abwehrt was krank macht und alles rein lässt was gut ist. Uns weiter arbeiten lässt, uns schöner macht, weniger sterben lässt. Klar, wir wissen alle, sterben werden wir so oder so, aber die Chance es besonders richtig oder falsch zu treffen, zeichnet sich in allen Lebenslagen deutlich ab. Auch das Sterben an sich sollte wohl geplant und überlegt sein. Alles ausschöpfen, alles mitnehmen, aber nur das Wichtige. Scheitern, langweilen, einfach so da sein, irritiert da nur. Natürlich haben wir Momente der Selbsterkenntnis und sehen plötzlich alles ganz klar, aber wir wollen auch auf nichts verzichten, wollen nicht einsam, sondern geliebt werden. Ob von Großkonzernen, Versicherungen oder der Heilpraktikerin. Wir möchten am Ende doch nur verstanden werden. Wir möchten gestreichelt werden und gesagt bekommen, dass wir natürlich alles richtig gemacht haben. Wir möchten hören, dass es ok ist, freiwillig in einem Käfig zu sitzen und per Lieferdienst alles ins Gehege geschmissen zu bekommen. Der Käfig ist ja voller Sachen! Voller ähnlicher Versprechen. Du wirst nicht krank! Du wirst schön! Du wirst ein bisschen perfekter, schlauer und tüchtiger. Vielleicht wirst du sogar eine Arbeit bekommen, reich oder zumindest keiner von denen, die es am Ende nicht geschafft haben und die sind, die du unter den Brücken liegen siehst. In jedem Versprechen schwingt eine leichte Drohung. Mit jeder Drohung wirst du dir sicherer, dass alles richtig ist. Das die Welt auch aus einem Käfig aus betrachtet wunderschön sein kann.
Wir als Arbeits-Primaten sind von Produktion und Leistung fasziniert und finden, dass alle die hier drin hocken auch bitteschön mit machen sollen. Das alle die unzufrieden sind, ja auch bitte gehen können. Überhaupt, was soll die Diskussion; wer hier leben will, der muss arbeiten. Wer hier arbeiten will, soll sich benehmen. Und wehe wenn nicht. Ja das kennen wir schon, dann kommt ganz schnell wieder die Brücken-Drohung. Oder die Harz4-Angst oder die Angst vor dem Tod oder alles vermischt. Die Angst vor der Angst ist sowieso gern dabei.

Eine andere Baustelle ist die Angst davor, andere könnten einem was wegnehmen. Denn wer weiß, irgendwann sind die Sachen im Käfig alle in Besitz. Und irgendwann hat der Käfig ja schließlich auch seine Enden, denn sonst wäre es ja kein Käfig. Platz ist nur so lange für alle da, so lange alle nach dem gleichen Heilsversprechen streben. Reicht es einigen Primaten einfach einen Platz zu haben, reicht das nicht der Primaten-Gemeinschaft. Ausfälle können kostenspielig werden und das System stürzen. Das System, davon wird geredet als sei es Voldemort. So, als dürfte man seinen Namen nicht nennen und als würde dieses suspekte Subjekt dennoch genügend Macht ausstrahlen um alle voranzutreiben. Ein Systemfehler könnte man auf Meta-Ebene spekulieren. Das System selbst habe sich dissoziiert, depersonalisiert und dann gespalten. In ein neu geschaffenes Subjekt, mit dem niemand was zu tun haben will, aber dennoch über allem steht. „Hallo, wir sind das System.“ Niemand will das hören! Stattdessen; Verdrängung, Verschiebung und Somatisierung wo hin man nur blickt. Natürlich, ist auch gut so, denn sonst würden ja alle ausrasten.

Und was wäre dann los? Ein Primaten-Theater ohne Frage. Das Gehege würde möglicherweise nieder gestampft, die Wassergräben überwunden. Vielleicht gäbe es auch Kriege mit anderen wildgewordenen Spezies. Mit neuen Feindbildern und Optionen, die diesmal keine Grenzen kennen. Vielleicht wäre dann alles anders, vielleicht würden sich aber auch alle bloß ein neues Gehege suchen. Mit mehr Auslauf und schöneren Pflanzen, aber den gleichen Mauern.


Soviel zu meinem Neujahrsabriss, der sich aus der Vorahnung, 2017 könnte anstrengend werden und dem Gefühl, es könnte sich einiges verändern, zusammen setzt und einiges durcheinander und zusammen wirft. Aber egal, ich fange dort an wo ich stehe und schreibe es mir vom Leib durch die Seele. Was man eben so an langweiligen Abenden im Käfig macht. 


*Mit wir als generalisiertes Gesellschaftsgefühl gemeint, ist klar ne. Aus einem Ich-Gefühl wird hier also schnell ein Wir-Gefühl und alle fühlen sich spontan angesprochen.