Montag, 30. Januar 2017

I call it a nonsense-poetry-experience

   
Wir ziehen an Haaren so, als gäbe es etwas, was irritieren könne. 
Blauwale und Trinksprüche. 
Müde Gedanken und Lebenssinn.
Warten auf Erlösung und den richtigen Moment.
Spalten und teilen.
Die Parallelwelt. Nicht unsere.
Dissoziieren. 
 
Mut zur Distanzlosigkeit.
Wir liegen umschlungen.
Wie Ying und Yang in einem Reagenzglas.
Wie Bonny und Clide im Fegefeuer.
Wie Hungernde im Schlaraffenland.
Wie Milch in Backhofen.
Spielen wir Leben. 


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Vorhaben für dieses: auch sowas darf sein. Mein Blog, meine Experimente. Januar in einigen Worten: zäh, zaghaft, kalt, schwach und ganz schön launig. Vorsichtiger Optimismus was Februar angeht. Vorsicht vor der Wildkatze!

Dienstag, 10. Januar 2017

Ausnahmezustand im Primatengehege?


Nach langer Abwesenheit starte ich meinen Blog ins neue Jahr auf gewohnt überfordernde Art und Weise, mit genauso vielen Rechtschreibfehlern wie sonst (aber in Arial) und natürliche einer großen Portion viraler Hartnäckigkeit und leicht pessimistischer Verstimmung. Meine heutige gesellschaftskritische Überlegung/ Frage: sind wir* ein Haufen seelenloser Primaten gefangen in einem Zoo aus Möglichkeiten? So weit so leicht beantwortbar (aha). Natürlich brauchen wir (unbedingt) erst einmal ein kleinen Abriss mit eingespickten Gesellschaftsdiagnosen. Denn ohne die genauen sowie generellen Umstände kann wohl niemand zu einem Urteil kommen (ha, what?). 
Zum einen haben wir Handlungsspielraum en masse. Haben die Möglichkeit unser Selbst in Anlehnung an unsere perfektionistischen und Konsum-orientierten Vorstellungen zu modifizieren. Angepasst an ein Ideal, das eine grenzenlose Optimierung des eigenen Kapitals verspricht. Ganz nach dem Motto: alles was ne Macke hat, wird direkt umgetauscht. Der Anschiss dafür geht auch direkt an den Produzenten; die vietnamesische Näherin, die gerade einen Lungenentzündung verschmerzen muss und deshalb unachtsam war, nicht an die Komsumierende, deren BH ein Loch ins Fünf Euro T-Shirt gerissen hat. Umso länger die Produktionskette umso länger die Liste der Verantwortlichen umso länger die Möglichkeiten der Ausbeutung. Wir sind gierige, verwirrte Seelen, die in einem T-Shirt eine mögliche Bedürfnisbefriedigung sehen, in einem gutes Essen, aber so etwas wie einen potentiellen Feind. Es könnte das T-Shirt sprengen und wir wären verantwortlich. Überhaupt, wir sind ungern verantwortlich.
Wir haben weitere Objekte mit denen wir uns viel beschäftigen, die eigentlich wir selbst sind. Wir sind Körper besessen bei gleichzeitiger Körperlosigkeit.  Oft haben wir das Gefühl, es existiere nur noch Geist in einer theoretischen Hülle, die funktionieren muss. Nämlich alles abwehrt was krank macht und alles rein lässt was gut ist. Uns weiter arbeiten lässt, uns schöner macht, weniger sterben lässt. Klar, wir wissen alle, sterben werden wir so oder so, aber die Chance es besonders richtig oder falsch zu treffen, zeichnet sich in allen Lebenslagen deutlich ab. Auch das Sterben an sich sollte wohl geplant und überlegt sein. Alles ausschöpfen, alles mitnehmen, aber nur das Wichtige. Scheitern, langweilen, einfach so da sein, irritiert da nur. Natürlich haben wir Momente der Selbsterkenntnis und sehen plötzlich alles ganz klar, aber wir wollen auch auf nichts verzichten, wollen nicht einsam, sondern geliebt werden. Ob von Großkonzernen, Versicherungen oder der Heilpraktikerin. Wir möchten am Ende doch nur verstanden werden. Wir möchten gestreichelt werden und gesagt bekommen, dass wir natürlich alles richtig gemacht haben. Wir möchten hören, dass es ok ist, freiwillig in einem Käfig zu sitzen und per Lieferdienst alles ins Gehege geschmissen zu bekommen. Der Käfig ist ja voller Sachen! Voller ähnlicher Versprechen. Du wirst nicht krank! Du wirst schön! Du wirst ein bisschen perfekter, schlauer und tüchtiger. Vielleicht wirst du sogar eine Arbeit bekommen, reich oder zumindest keiner von denen, die es am Ende nicht geschafft haben und die sind, die du unter den Brücken liegen siehst. In jedem Versprechen schwingt eine leichte Drohung. Mit jeder Drohung wirst du dir sicherer, dass alles richtig ist. Das die Welt auch aus einem Käfig aus betrachtet wunderschön sein kann.
Wir als Arbeits-Primaten sind von Produktion und Leistung fasziniert und finden, dass alle die hier drin hocken auch bitteschön mit machen sollen. Das alle die unzufrieden sind, ja auch bitte gehen können. Überhaupt, was soll die Diskussion; wer hier leben will, der muss arbeiten. Wer hier arbeiten will, soll sich benehmen. Und wehe wenn nicht. Ja das kennen wir schon, dann kommt ganz schnell wieder die Brücken-Drohung. Oder die Harz4-Angst oder die Angst vor dem Tod oder alles vermischt. Die Angst vor der Angst ist sowieso gern dabei.

Eine andere Baustelle ist die Angst davor, andere könnten einem was wegnehmen. Denn wer weiß, irgendwann sind die Sachen im Käfig alle in Besitz. Und irgendwann hat der Käfig ja schließlich auch seine Enden, denn sonst wäre es ja kein Käfig. Platz ist nur so lange für alle da, so lange alle nach dem gleichen Heilsversprechen streben. Reicht es einigen Primaten einfach einen Platz zu haben, reicht das nicht der Primaten-Gemeinschaft. Ausfälle können kostenspielig werden und das System stürzen. Das System, davon wird geredet als sei es Voldemort. So, als dürfte man seinen Namen nicht nennen und als würde dieses suspekte Subjekt dennoch genügend Macht ausstrahlen um alle voranzutreiben. Ein Systemfehler könnte man auf Meta-Ebene spekulieren. Das System selbst habe sich dissoziiert, depersonalisiert und dann gespalten. In ein neu geschaffenes Subjekt, mit dem niemand was zu tun haben will, aber dennoch über allem steht. „Hallo, wir sind das System.“ Niemand will das hören! Stattdessen; Verdrängung, Verschiebung und Somatisierung wo hin man nur blickt. Natürlich, ist auch gut so, denn sonst würden ja alle ausrasten.

Und was wäre dann los? Ein Primaten-Theater ohne Frage. Das Gehege würde möglicherweise nieder gestampft, die Wassergräben überwunden. Vielleicht gäbe es auch Kriege mit anderen wildgewordenen Spezies. Mit neuen Feindbildern und Optionen, die diesmal keine Grenzen kennen. Vielleicht wäre dann alles anders, vielleicht würden sich aber auch alle bloß ein neues Gehege suchen. Mit mehr Auslauf und schöneren Pflanzen, aber den gleichen Mauern.


Soviel zu meinem Neujahrsabriss, der sich aus der Vorahnung, 2017 könnte anstrengend werden und dem Gefühl, es könnte sich einiges verändern, zusammen setzt und einiges durcheinander und zusammen wirft. Aber egal, ich fange dort an wo ich stehe und schreibe es mir vom Leib durch die Seele. Was man eben so an langweiligen Abenden im Käfig macht. 


*Mit wir als generalisiertes Gesellschaftsgefühl gemeint, ist klar ne. Aus einem Ich-Gefühl wird hier also schnell ein Wir-Gefühl und alle fühlen sich spontan angesprochen.

Montag, 3. Oktober 2016

(wake me up) when semptember ends...




Wenn vom Urlaub nur noch Stirnpickel und braune Füße übrig geblieben-, alle Hausarbeiten längst eingetütet sind und sich um kurz nach sieben der Himmel bläulich-rot verfärbt. Wenn sich leise Zweifel wie ein vorübergehender Schleier über die Stirn legen und erste Blätter am Schuh hängen bleiben. Wenn Serien weitergehen und man sehnsüchtig auf die ersten Pilze wartet, während man mittags manchmal draußen sitzt und die Haut immernoch salzig schmeckt, obwohl es doch schon bald wieder Weihnachten ist. Wenn man endlich Zeit für alle Dinge, die man so lange aufgeschoben, hat und immernoch keine Lust verspürt sie auszuführen.

Ein Klingeln im Kopf unterspricht meinen Gedankenschwall. Aus dem Klingeln wird ein existentielles Schmerzgefühl, dass sich so anfühlt, als würde man mein Gehirn mit einem Baseballschläger maltretieren und anschließend in einen Mixer stecken. Ich kotze nicht, aber bin kurz davor aus dem Fenster zu springen. Dort wo gerade noch der romantisch rote Himmel war ist jetzt schwarze Nacht. Ein paar Sterne blitzen provozierend auf. Aber ich halte auch gerade alles für reine Provokation. Auf meiner Stirn türmen sich Eisberge, auf meinen Augen liegt ein milchiger Film. Es schmeckt nach Gefrierfach und Sonnencreme. 

Das Klingeln wird zum Jucken wird wieder zum Milchfilm. September Transformationen die sich mit dem Prä-November-Blues vermischen und eine krisselige Mischung geben, vielleicht vergleichbar mit abgelaufenen Brausepulver. Nichts Neues, aber jedes Mal überraschend. 


(Achtung: evtl. neue Kategorie im Anmarsch) Erkenntnisse des Sommers 2016 (in alphabetischer -und mit falschen Doppelpunkten- bespickte Reihenfolge):

x Allgäu: gerne wieder (dann aber mit dichtem Zelt oder Luxus-Van?!)
x Bafög (-Ende): es wird Zeit sich (noch) einen Job zu suchen/ sich einen besseren Job zu suchen/ sich von Spaghetti zu ernähren/ sich umzuorientieren/ sich zu arrangieren / sich zu prostitutieren 
x Chaos: im Kopf
x Dreißig: wurden viele Menschen diesen Sommer
x Einführung in die Ethnologie: besser spät belesen, als gar nicht.
x Forest: und sein Sound in Südhessen
x Grüner Daumen: stolz auf drei überlebende und bis heute tragende Tomatenplanzen
x Hörbücher: sind besser als ihr Ruf (oder viel mehr den Ruf, den ich ihnen unterstellte!)
x Innere Aufregung: vor den Hochzeit die ich fotografiert habe
x Juli Zeh: "Unterleuten" !!
x Kein schönes Unterfangen: Autos mieten in Portugal
x Lesen: am Strand am Schönsten!
x Mantra: Don't Panic (wenn möglich).
x Nein Danke: Lebensmittelmotten
x Ohne Ende: nette Worte und Glückmomente in kleinen Häppchen   
x Pläne: Reisen, Haus renovieren, Garten beplanzen, Wände einreißen, Kuchen backen lernen, Aufgaben finden, im Zweifelsfall immer: ein Buch schreiben. 
x Quit: Panik/Zweifel/Zigaretten
x Reizlose Tätigkeit: Hausarbeiten schreiben in der semesterfreien Zeit
x Salzgehalt: von in Salz eingelegtem Bacelhau
x "Toni Erdman": sehenswerter Film! 
x Versuche: dich nicht immer zu unterschätzen.  
x Wunderschön: Portugal im September
x X-Mal: den Rücken einknacken lassen und trotzdem verspannt sein 
x Yeah, Yin Yoga! 
x Zeit: fliegt, stagniert, betrügt. 

alles in allem: ein schöner Sommer. x Und jetzt: Aufwachen und weiter machen!  

Dienstag, 14. Juni 2016

Savasana

- oder auch die Leichenstellung, wie Yogawiki mir gerade verraten hat. Dabei dachte ich es ginge einfach um bloße Entspannung. Von Todsein war nie die Rede. In dieser "Stellung" liegst du jedenfalls auf dem Rücken, Beine hüpftbreit geöffnet, Arme ein paar Zentimenter vom Körper entfernt liegend, Handflächen nach oben, damit dort neue Energie herein fließen kann. Also in dich rein. Ansonsten tust du nichts. Liegst da und machst nebenbei auch noch Yoga. Perfekt also. Heute verbringe ich den Tag so. 


Ich bin mal so frei:  lasse meine Pickel am Kinn sprießen, lasse meine Füße einschlafen (wie bitte ist das in dieser Position überhaupt möglich?). Kümmere mich nicht um Flusen und Hausstaub, späte Pollen, nicht um die Krümmung meiner Wirbelsäule und Geld verdienen sowieso nicht. Nicht um tote Balkonplanzen, nicht um Texte zur Authentizität (schon wieder, nur anders!). Ich würde drauf scheißen, würde ich nicht gerade in Shawasama liegen. Irgenwie nicht in dieser Welt und doch irgendwie ganz da. Meine Chakren scheinen sich schon von ganz alleine zu öffnen, dafür muss ich nicht mal irgendwo hinatmen. Auf meine To-do-Liste blinken vor sich hin und erinnern sich gegenseitig, dass sie meine Aufmerksamkeit wollen, während ich nur mal kurz die Augen öffne. Danke nein! Sie werden nicht davon laufen, die wichtigen Dinge, die ich mir in meinem vorherigen Aktionismus so eifrig ins Iphone tippte. Im Gegenteil; sie werden einfach immer so weiter blinken. Auch meine Zehnen profitieren von meiner Totenstille, sie haben genug geschlafen und wachen jetzt einfach wieder auf. Wertfrei beobachten, denke ich, aber freue mich natürlich insgeheim wie eine Schneekönigin. Mein Puls hat sich beruhigt, meine Wirbelsäule wirkt plötzlich geschmeidig und auch meine Pickel scheinen plötzlich weniger ekelhaft. Ich übertreibe nicht wenn ich sage, Yoga hat mir den Tag gerettet! Auch wenn ich nach ein paar Minuten in Savasana wieder aufgestanden bin und mich an meine To-do-Liste gesetzt habe.


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heute schreibt der verdrehte Yogini in mir. Geht runter wie ein breiig, aber gesunder Detoxsmoothie mit Zwiebeln und Salat (hui!).

Mittwoch, 18. Mai 2016

Von Wurfzelten und Brennöfen


Ein Plädoyer fürs Ausprobieren (oder mal wieder ein narzistischer Text über den Lebensinn):

„Ich bin kein verdammtes Töpfergut.“ Mit diesem Gedanken und tiefen, hässlichen Sorgenfurchen laufe ich umher und hasse die Welt. Oder viel eher mich. Oder alle Anderen. Ich habe mich noch nicht entschieden. Wie immer. Der Höhepunkt meiner schlechten Laune war vor gut dreißig Minuten als meine Kollegin mal wieder von mir wissen wollte, was ich denn meinem Leben anfangen wolle. Was ich werden wolle. Was ich arbeiten wolle. Wie ich leben wolle. Mit sechsundzwanzig. Sie schreibt gerade ihre Doktorarbeit und hat ein geregeltes Leben mit geregelter Arbeit. Viele haben ein geregeltes Leben mit sechsundzwanzig, das ist nicht verwerflich. Sie wusste als sie diesen Job anfing, dass sie jetzt ihre Doktorarbeit schreiben würde. Sie wusste, dass gehört dazu wie alles andere. „so wie wenn du einen Töpferkurs belegst und dann deine Sachen in den Brennofen tust.“ So selbstverständlich war es für sie. Ich habe gerade mein zweites Studium abgebrochen und mein insgesamt viertes Studium begonnen. Ich versuche mit verschiedenen Jobs über Wasser zuhalten, damit ich irgendwann einen Abschluss habe von dem ich nicht weiß ob er mir andere Optionen ermöglicht als eben genau diese Nebenjobs. Unser Gespräch kann nicht funktionieren. Wir verstehen uns heute nicht. Völlig in Rage erzähle ich meiner Mitbewohnerin davon. Aber auch sie versteht mich heute nicht. Sie wusste nach dem Abi dass sie Lehrerin werden will. Sie macht Nebenjobs um dann Lehrerin zu sein. So wie sie es wollte. Ich wusste, dass ich nach dem Abi studieren will, also studierte ich. Sechs Jahre ist das her. Um mein Leben (mit zu) finanzieren arbeitete ich zwischendrin in Klamotten- und Schuhläden, als Kinderbetreuerin, Schauspielpatientin, studentische Hilfskraft, Hochzeitsfotografin und wenn man es genau nimmt war auch Beuteldesignerin dabei. Ich wollte Künstlerin, Journalistin, Psychotherapeutin, Erziehungswissenschaftlerin und Motologin werden. Tatsächlich habe ich einen Abschluss in Soziologie gemacht. Tatsächlich fand ich es immer gut wenn ich mich nicht entscheiden musste. Wenn es einfach so passierte. Tatsächlich habe ich Vieles ausprobiert. Ich bereue nichts davon, denn ich bin kein verdammtes Töpfergut. Ich bin unfertig, launisch und immer auf der Suche. Ich probiere gerne Dinge aus und höre immer genau dann damit auf, wenn ich es wirklich nicht mehr machen will. Das dauert manchmal mehrere Jahre, manchmal einen Tag. Letzte Woche wollte ich mir ein Wurfzelt kaufen und damit die Welt bereisen, was ich letztendlich nicht getan habe. Kann sein dass ich damit nicht besonders gesellschaftskompatibel bin und kann sein, dass ich deshalb manchmal so wütend werde. Weil ich weiß, dass ich einiges, vielleicht zuviel von meinem Leben erwarte. Dass ich manchmal wünschte alles wäre soviel einfacher, wenn ich nur wüsste was ich genau will. Was ich antworten könnte, wenn man mich fragt „Jetzt sag doch mal, was willst du denn machen?“ und mich dabei eindringlich ansieht. Ich könnte mir so Vieles vorstellen und so Vieles nicht. Von Anpassungsschwierigkeiten über Aufmüpfigkeit wurde mir schon Vieles an den Kopf geworden. Meistens von mir Selbst. „hab dich nicht so“, „stell dich nicht so an“, „alle machen das so“ und „zieh halt mal was durch“ sind trotzdem Sätze die nicht gerade zu meinen Favoriten gehören. Ich habe das Bedürfnis mich zu rechtfertigen und mich zu erklären. Den ganzen Druck abzuschütteln. Mich selbst von mir zu überzeugen und von der Flucht mit dem Wurfzelt abzubringen. Denn „wenn du von dir selbst flüchten willst, kannst du auch gleich hier bleiben“. Zitat von meiner Mutter, die Recht hat, hinter mir steht und irgendwie auch mitbeteiligt ist, am ganzen Dilemma. Sie hat mich gelernt, dass es nicht immer gut ist mitzuschwimmen und manchmal sogar angebracht auszusteigen. Dafür bin ich dankbar und dennoch verwirrt. Woher kann ich wissen, was das Richtige ist? Woher soll ich wissen, dass alles gut wird, wenn ich weiterhin so orientierungslos durch die Gegend laufe und bereits die ersten grauen Haare auftauchen? Wenn viele verständnislos gucken und ich am Ende meine größte Kritikerin bleibe. Solche Fragen lassen sich nicht klären, und was bietet sich da besser an, als einen therapeutischen Text darüber zuschreiben. Auf der Basis von schlechter Laune und ein bisschen Welthass. „Ich versuche irgendwie lebendig zu sein und mich nicht unterkriegen zu lassen.“ Vielleicht sollte das meine Antwort sein, auf die Frage was denn genau meine Bestimmung sei. Denn gerade fühlt es sich verdammt richtig an. 

Dienstag, 3. Mai 2016

methaphorisches Tauchen



Hinter der Welt liegt ein See und in ihm soviel Potential. Wir könnten tief tauchen und ihn ergründen aber wir schwimmen höchstens an der Oberfläche, tauchen vielleicht unseren großen Zeh ein und schrecken kurz zusammen. Wir sind ein Bündel an Möglichkeiten mit einem Potential eines ausgestopften Kaninchens. Hinter unseren Ohren sind wir grün wie Spargel, nach Außen hin geben wir uns weltgewandt und großspurig. Bestellen uns teuren Wein und lackierte Absatzschuhe. Geben aber jedem der will einen Teil davon ab. Wir malen uns aus wie es aussehen könnte, würden wir mal wirklich was riskieren. Wir schreiben unsere Tagebücher voller Alliterationen, voller bedeutungschwangerer Sätze wie diesen. Wir liegen in Liegestühlen voller Bequemlichkeit. Laufen unserem Alltag regelrecht hinterher, brauchen Struktur und Arbeit, Arbeit und Struktur, möglichst im Einklang, möglichst ausbalanciert. Der Akt der Balance pendelt zwischen Aktionismus und Langeweile, Regression und dem Alt werden. Zwischen veganen, glutenfreien und Lungen-Brötchen. Zwischen Detoxpillen und Kotzerei. Beides eher auf Hormonschwankungen denn tatsächlicher Extase zurückzuführen. Frustrierend und doch irgendwie logisch: am Ende werden wir alle auf der Strecke bleiben und verrecken. Werden dabei nicht mal aussehen wie ein präparierte Kaninchen sondern fahl und schrumpelig. Die Gedanken werden dann zwischen Momenten des Zeh Tauchens und klackender Absätze hängen, bei gleichzeitigem Kontrollverlust und völligem Kopfchaos. Am Ende werden wir nur noch schwanken,  in unseren eigens dafür gebauten Palästen gefangen sein. Wo hin wir und unsere abgenutzten Körper schließlich hinkommen, wo sie recycelt oder ausgeschlachtet  werden ist dann irrelevant und schlichtweg bedeutungslos. Sie haben nie den Grund des Ozeans gesehen, sie waren nicht einmal baden. 

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schneller, hingeklatschter Text. Denn das gabs viel zu lange nicht mehr.

Freitag, 18. März 2016

Selbstinszenierungwahn bei gleichzeitiger Sozialphobie


In meinen besten Momenten fühle ich mich wie Robin Hood (ich werde allen helfen!), von den schlechten will ich erst gar nicht anfangen. Ich will die Aufmerksamkeit und Muse von Lena Dunham bei gleichzeitiger Selbstinszenierungsangst. Das führt zu einer Doppel-Moral und ambivalenten Selbst-Darstellung, unter der wahrscheinlich auch Lena Dunham selbst zu leiden scheint (vielleicht auch nicht). Klicks werden dann plötzlich mit echtem Lob gleichsetzt und keine Klicks mit dem Fernbleiben einer lang geplanten Ausstellung (welche geplante Ausstellung?). Dort stehe nur ich, starre auf meine armselige Präsenz und meine ungesehenen Bilder und Texte. Während mir allein bei dieser Vorstellung eine ebenso armseelige Träne - die ebenfalls auch von Gähnen kommen könnte - die Wange herunter tropft, laufe ich durch eine Stadt, in der ich manchmal wünschte, inkognito zu sein. Nicht, das ich hier bekannt wäre, nein, dass hat alles viel mehr mit der Größe der Kleinstadt und der Anzahl der Jahre, in denen ich hier schon mein Ich suche und finde, zu tun. Es hat auch mehr mit den spriesenden Pickeln als mit meiner Sozialphobie (wie bitte?!) zu tun. Der Preis Lena Dunham zu sein, scheint mir plötzlich ebenso unvorstellbar hoch wie absurd. Als ob ich mit sozialen und unsozialen Netzwerken, Post und Tweets, die im Newsfeed immer ganz oben erscheinen meinen Selbstwert pushen könnte (könnte ich? sollte ich? wollte ich?)!. Als ob meine Laune wegen ein paar Zeilen und einem ironischen Hashtag darunter steigen könnte (vielleicht?). Das ist immer der Moment wo ich mir mit Realismus komme (bringt nicht viel). Ein Mensch der sich nur in der realen denn in der virtuellen Welt aufhält, freut sich über Komplimente, warmherzige Umarmungen und eine neue Bekanntschaft (mache ich ja auch). Leute wie ich sagen immer sie können nicht mit Komplimenten umgehen (können sie auch nicht!), wollen aber trotzdem welche hören oder sehen oder eben so ein dämliches Däumchen da! Virtuelle Inszenierer wie ich möchte niemals von virtuellem Applaus, niemals vom virtuellen Publikum abhängig sein, aber das wäre ja ganz so, als würde man Theater spielen und keiner sieht zu. Das geht schon, aber dass will ja niemand. Wir (auf einmal sind es schon ganz viele Ichs) wollen gesehen werden, verstanden werden, Applaus bekommen, aber niemals im Rampenlicht gestanden haben. Am Liebsten ganz viel Ruhm, ganz viel Hurra, aber nichts gesagt haben (und wenn nur unter falschem Namen). Den Arsch lieber nicht riskiert und die Socken lieber angezogen haben (?). 
Ich laufe also mit gesenktem Haupt durch die Stadt die ich so liebe, die mich so liebt (tut sie das?) und trete in ein großen Kackhaufen (tut sie nicht), laufe um ein Haar gegen eine Laterne und falle dabei ein bisschen vom Gehweg (wegen des dramaturgischen Verlauf). Eine helfende Hand, die ich zufällig kenne, führt mich zurück auf den richtigen Pfad und macht mir gleichzeitig ein Kompliment das ich nicht annehmen kann (ach, wie, was, niemals). Ich schäme mich. Ich schäme mich auch jetzt. Wir laufen ein bisschen weiter, dann sagt die Person, sie schäme sich hingegen für Menschen die sich immer so darstellen müssten. Dieses ständige Inszenieren und Wetteifern! Ich nicke eifrig. Ich lösche meine Facebookseite, mein Portfolio, meinen Blog (im Geiste) und eröffne sie dann gleich wieder (im Geiste und aus Protest). Ich verabschiede mich höflich und ohne weitere Komplimente zurück und kann nicht fassen, was für eine korrupter, unfreier und von anderen Menschen abhängige Person ich geworden bin, achwas schon immer war! Dabei will ich doch immer nur mein Ding machen, mein inneres Gleichgewicht halten, meine Meinung sagen (denkste!). Die Gier treibt mich an, die Lust an etwas was man nicht so einfach erklären kann (ich könnte es mit dem Wort 'Anerkennung' versuchen). In meinen besten Momenten denke ich vielleicht an Robin Hood, in Schlechten viellleicht an die nackte Lena Dunham. Das machtvolle Gefühl ist ein Ähnliches, die Anerkennung der beiden wohl gelinde gesagt ambivalent. So wie dieses, zudem narzistische, fast notgeiles Unterfangen. Denn wenn ich mal ehrlich bin, habe diesen (Nicht-)Text hauptsächlich für ein paar Klicks geschrieben. 

Klick. Klack.