Sonntag, 4. August 2013

Ferien


Ein perfekter Sonntagvormittag, Frühstück im Bett, ein perfekt gelungener Kaffee und ARD-Dokus (Das Leben von Konsumaussteigern und Sexarbeitern).  Ein bisschen lesen (ein wilder Mix aus Verhaltenbeobachtungsanleitungen, Störungsbildern und Gruselromanen), ein bisschen dösen, sich räkeln und eingeschlafene Körperteile aufwecken. Das Wetter beobachten und vielleicht noch eine Ibo einwerfen. Kühles Wasser mit einem Spritzer Zitrone trinken und über das zukünftige Leben sinnieren. Aktionen bei denen man seine Liegeposition verlassen würde auf einen anderen Tag verschieben. Stattdessen sinnlose  Posts bloggen. Ein paar Mückenstiche aufkratzen, ein paar Obstfliegen fangen. Dinge aufschreiben die man schon immer mal machen wollte und auf einen anderen Tag verschieben. Dinge die man unbedingt haben will auf der Amazon-Wunschliste speichern und auf einen Geldsegen warten. Außentemperatur aus checken und sich über 15Grad Unterschied freuen, einen Arm aus dem Fenster halten und einen kurzen Schwindel bekommen, wieder aufs Bett legen und alle Viere ausstrecken. Wahrlose Radiobeiträge hören und  Musik auf Youtube entdecken. Irgendwann den Abend mit einer Tatort-Wiederholung und einer gelieferten Pizza ausklingen lassen und das Ganze mit einem Glas eiskaltem Blanchet nachspülen. Irgendwann friedlich einnicken und einen gruseligen Mix aus Konsumaussteigern, Sexarbeitern, Verhaltensbeobachtungen und Störungsbildern träumen. Andere verbringen ihre Ferien irgendwo im Süden am Meer, ich verbringe sie in meinem kühlen Bett. 


Dienstag, 25. Juni 2013

Yolo!



a)

Von außen betrachtet wirken wir desinteressiert und gelangweilt. Laufen halb schlafend durch die Gegend und wundern uns kaum noch. Haben keinen Plan, aber strukturieren unser Leben in Tagen, Wochen, in Jahres- Abschnitten. Am Anfang die Tabula Rasa, am Ende der Tod. Irgendwo dazwischen läuft oder kriecht man lang. Auf einem Weg, auf dem man absichtlich, oder zufällig geht, an einem Ort oder Land, an dem man sicaus Versehen, oder mit purer Absicht aufhält. Als Reaktion auf die Umstände. 

Wir fürchten uns. Vor Entscheidungen und Absichten. Haben Angst davor, dass unser Masterplan nicht aufgeht, oder aber schlimmer, erst gar gedacht wurde. Dass im Kopf ein Knäul an Gedanken steckt, die sich weder sortieren, noch strukturieren lassen. Die einfach nur ein Knäul sind. Wir haben Angst, dass wir nie darauf kommen was wir wollen und immer weiter schwimmen; planlos, irritiert und immer auf der Suche. Denn unsere Eltern wollen ja, dass wir glücklich werden und irgendwie scheint diese absurde Vorstellung an irgendeinem Punkt Vorraussetzung zu sein. Ein Leben sollte glücklich sein. Selbst Hühnchen wünschen wir inzwischen, dass sie ein glückliches Leben hatten, bevor wir sie essen können.

Fragt man uns heute nach unseren Vorstellungen, sieht man meist nur ein kleines Achselzucken. Lust- und Ratlosigkeit. In unseren Augen blitzt es selten und wenn doch, finden wir es irgendwie irritierend. Zu viele Möglichkeiten können blockieren. Zu viele Neuanfänge isolieren. Vorstellungen werden grundsätzlich nicht zu Ende gedacht, Träume nur im Schlaf geträumt. Wäre das nicht der Fall, würde man sich ausliefern. Dem realen Leben, mit all seinen Facetten. Wir sagen zwar andauernd „you only live once“, aber eigentlich trauen wir es uns gar nicht zu. Haben Angst vor der Angst. Denn die, davor enttäuscht und verletzt zu werden, ist einfach zu groß.


b)


Prinzipiell können wir uns erst einmal alles vorstellen, sind voller Potential und Tatendrang. Eigensinnig, aber unwiderstehlich. Immer einen Schritt voraus. In unseren Augen blitzt es vor Spannungen, vor Ideen und Lebenslust. Wir halten Dinge aus, die sonst alle umhauen. Halten die Welt für einen experimentellen Ort, für einen, wo alles möglich ist. Können, wenn wir nur wollen, wollen, weil wir es können. Hoch und weit, groß und schwer gewichtet. Sind geeignet für Situationen die schnelle Entscheidungen zulassen, entscheiden immer aus dem Bauch heraus. Heute hier, morgen da. Trotzdem sind wir völlig bei uns Selbst. Angekommen und stabil eingebettet in einer Welt, die nicht heil ist, aber auch nicht zerbrochen. Die sich mit uns dehnt und uns aufhängt, immer dann wenn es nötig ist. Wir haben Menschen um uns, die uns halten, wenn wir nicht mehr weiter wissen und Eis mitbringen wenn wir dabei sind alles schwarz zu malen. Die sich für uns einsetzen und schützend vor uns stellen wenn wir dabei sind falsche Entscheidungen zu treffen. Sie retten uns mit einer Selbstverständlichkeit, dass wir das Gefühl haben, sie seien ein Teil Familie. Mit ihnen schmeckt Gin weniger bitter, mit ihnen steigt unsere Vorstellungskraft. An eine Welt, die an sich glaubt, so wie wir an uns. Wir wissen, unsere Erwartungen sind hoch, aber wir wissen auch, sie werden etwas bewegen, zumindest in unseren Köpfen.  



Dichotome Gedanken, je nach Laune (und Wetterlage)

Donnerstag, 20. Juni 2013

FLASH


Wenn man auf Gewitter wartet, das nicht kommt. Luft, die man schneien kann. Wenn Spannungen und Hitze kaum zu ertragen sind. Regen, den man schon riechen kann, Körper die beginnen zu zerfließen, schmierig und klebrig sindWenn weder 'Killerqueen' in Endlosschleife, nocHimbeereis hilft. Wenn man draußen sitzt, aber drinnen sein sollte. Wenn man immer müde ist, aber lieber wach als schlafend. Wenn es anfängt, an einem zu zerren. Man sicverzehrt, obwohl man weiß, es ist reine Zeit Verschwendung. Wenn auf die Konsequenzen des Unwetter scheißt. Auf Regen, der nicht mehr aufhört, auf Blitze die sich entladen. Wenn man darauf wartet, dass es endlich kracht. Wenn man auf etwas wartet, was nicht kommt. 

Trotz fünfzigprozentiger Wahrscheinlichkeit.




- während dem Warten; zwei good old classics - Smells like Teen Spirit und Wake me up when September ends - laut - laut - laut! 

Montag, 20. Mai 2013

ein kleiner Pieks







Die These; Zeit ist nur noch ein Klumpen, der aus Gegenwart und Vergangenheit besteht. Wir erinnern uns nicht an viel mehr, als ein paar Momente, die zeitlich und räumlich nicht mehr einordbar und trotzdem in unser Hirn gebrannt sind. Seichte Spuren hinterlassen, sich zwar wie ein roter Faden durch unser Leben ziehen, aber nicht groß stören. Der Faden geht durch Haut und Haare, sticht und piekt und ist fest in uns verwurzelt. Es tut ein bisschen weh, aber wir ertragen es. Es ist der rote Faden, den wir vermutlich vermissen würden, würde er nicht existieren und vielleicht das, was uns hält. Uns weiter rennen lässt. Denn alle rennen in die gleiche Richtung; in die Zukunft. Zu jenem Klumpen, den wir noch formen und transformieren können. Dort, wo wir alles finden was wir brauchen. Finden wir jeden Moment, den wir gleich wieder hinter uns haben. Stechen den Faden kurz in die Haut und denken dann nicht mehr an den kleinen Pieks. Ehe es überhaupt passierte haben wir das Erlebte überschrieben, neu codiert und letztendlich vergessen. Wir halten uns daran, dass wir alles neu erleben können, zu jeder Zeit, aber genau an der mangelt es uns. Haben nicht viel mehr, als ein paar Momente und Rauschzustände, von denen niemand mehr weiß, ob und wann sie passiert sind. Sind sie konstruiert oder vertauscht, oder einfach nur falsch verstanden. Wir verstehen nicht viel, aber immer mehr als nur Worte. Verstehen nur über den Kontext hinaus weiter bis zum nächsten Klumpen Zukunftsgeschichte. Befinden uns an Orten die die selben sind, aber zu anderen werden. Die zu Tatorten werden; zu Interpretationsorten, zu Missverständnissen und einem Problem. Eines, dass du durch deinen Faden hast. Du willst zwar weiter rennen, aber stattdessen sitzt du nur reglos da und läufst zurück; im Kopf, mit deinem Herzen. Solange bewegt sich nichts, solange fühlt sich jeder einzelne Pieks unerträglich an. Es widerspricht der Anfangshypothese und unserem postmodernen Geist, dem Prinzip des Weitermachens und Nachvorne-schauens. Klumpen können sich verformen und bröseln, manchmal lösen sie sich auf oder werden zu einem ganz großen Brocken. Nur weil Zeit vergeht und das Jetzt gerade so kurz ist, nur weil kurz darauf schon wieder Zukunft ist und wir anfangen uns neu zu formen, heißt das nicht, dass nirgendwo hinter uns ein Faden fest steckt, sich verhakt hat und dabei ist, sich zu entzünden.



- die Blog-Pausen entstehen durch ein (endlich wieder) pralles, reales Leben. Uni, Jobs und Praktikum füllen Kalenderseiten. Das ist gut so. 








Mittwoch, 27. März 2013

waiting for the sun



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Wir stapelten, wir packten. Kisten und Materialien. Stoff für echte Dramen. Lange, Seitenlange Scripte lagen neben aufgerissenen Kisten voll mit Dreck.

Weißer Himmel, überall wo man nur hinschaut. Irgendwas zwischen Winterschlaf und Neuanfang, manche riechen es sogar schon. Wir packen aus. Wir lassen Dinge liegen. Wir lassen die Scripte in Kisten, stapeln uns übereinander, legen uns in den Dreck. Wir fangen an, räumen auf, räumen aus.

Wir finden etwas, finden seidenlangen Stoff der sich zum Verstecken eignet. Verstecken uns zwischen den Stapeln und dichten ein paar neue Geschichten. Zwar fühlen wir uns wohl; in langer Seide die sich wie ein Vorhang über unsere Körper zieht, und doch frieren wir irgendwie, die abstehenden Haare auf unseren Armen sind nicht zu übersehen. Wir sehen uns an, sehen die Altlasten, fallen wieder zurück in die Routine. Eine Grundträgheit überlappt alles, hängt sich über uns und alles was sicfür einen kurzen Moment nicht zu bewegen scheint. 

Es sieht so aus, als fehlte der Himmel. So, als hätte man ihn irgendwie ausgeschnitten und sich in an seine Zimmerwand geklebt. Dreckiger als weiß, weißer als grau. Wir setzten unsere Sonnenbrillen auf und halten einen Moment inne, dann riechen wir ihn auch irgendwo, zwischen dreckigen Kisten und echten Dramen; den Frühling. 

Sonntag, 17. März 2013

Monster!



Du hältst deine Hand so lange ins Feuer bis du einen inbrünstigen Schrei von dir gibst. Nur um zu sehen wie weit du gehen kannst. Und du gehst weit. Du hältst es aus, weil du weißt, es wird weitergehen, so lange bis einer von uns nicht mehr kann, solange bis einer von uns schlapp macht. Da du denkst, dass ich das sein werde, schaust du immer wieder zu mir herüber, nur um zu sehen ob ich schon aufgegeben habe. Was nicht der Fall ist. Meine Hände zieren Brandblasen, meine Füße sind wund gelaufen. Meine Haut rissig, meine Lippen spröde und blutunterlaufen. Wer auch immer dieses Spiel angefangen hat, es ist nicht mehr zu stoppen. Angefangen hat es mit Kleinigkeiten, jetzt spielt es sich eher auf Existenzebene ab; die es zu bekämpfen gilt. Wir halten uns nicht mehr an bestimmte Regeln, wir sind nur noch wild und unberechenbar. Liegen ständig auf der Lauer, jederzeit zum Angriff bereit. Dabei kämpfen wir niemals gezielt miteinander, sondern immer über Mittelmänner, Menschen die es für unsere Zwecke zu benutzen gilt. Unsere schönste Waffe ist die Verletzung, die sich in Form einen verbitterten Blickes, in Form eines schockierten Momentes äußert. Wir haben alles ausgespielt, haben Wunden in Salz ertränkt und noch ein bisschen entzünden lassen. Wir gehen weiter, unsere Blicke eiskalt. Was einmal Feuer war, ist getriebener Hass, gepaart mit der allgegenwärtigen Angst, dass der Spaß irgendwann ein Ende haben könnte. Das jemand aufgibt und damit der letzte Trumpf ausgespielt ist. Das wäre das Schlimmste, dagegen sind alle anderen Wunden nur ein paar oberflächliche Kratzer. Du hältst deine Hand ins Feuer und schreist nicht mehr. Du hältst es aus, weil du weißt, dass es immer weitergeht. Was nicht der Fall sein wird. Am Ende werden wir beide daran verrecken, zementiert sein in Hass und Angst. Wir werden keine Verletzung mehr spüren, wir werden keine Existenzebene mehr bekämpfen können. Wir werden still da liegen und an an den inneren Verletzungen des einstigen Feuers sterben. 


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harte Kost, bei Regen und Schnee, Mitte März. So lange man weiter auf den Frühling wartet -hier das passende erste Hilfe Paket

Freitag, 15. März 2013

Die Gefahr zu verschwinden



Wir spürten Wut, aber hassten nicht. Wir spürten Hass, aber wir wüteten nicht. Wir waren ein Zustand, in dem man kratzt, aber nicht aufkratzt. An dem man schabt, aber nicht gräbt. Rebellierten, ohne uns aufzulehnen, zweifelten, aber wussten nicht warum. Wir lagen flach auf der Erde und hofften das wir was spürten, aber am Ende hörten wir nur ein dumpfes Geräusch, das vielleicht irgendwann mal so etwas, wie ein kleiner Aufstand, aber am Ende doch nur ein Hochhalten von weißen Flaggen, war. Wir wollten mehr, aber wir wussten nicht wie. Wohin mit all den Vorhaben. Wir wollten die Welt, aber konnten sie nicht ertragen. Wir verstanden viel, aber sagten zu wenig. Wir sagten nichts und dennoch schwammen wir in einem Meer aus Wörtern. Versuchten uns durchzukämpfen, aber am Ende verschluckten wir uns, schnappten noch ein Mal nach Luft und verreckten dann jämmerlich an sinnlosen Sätzen, an einem Zustand aus Wort- und Kopfsalat.

Dann wurden wir plötzlich das, was wir nie werden wollten. Das, was man auf jeden Fall meiden musste. Als würde man von heute auf morgen vergessen, was wichtig ist, was zählt. So, als würde man plötzlich die Republikaner wählen, nur, weil man einen Moment mal nicht achtsam war. So als würde man anfangen seicht zu werden, nur weil man gerade so viel zu tun hat. Als würde man aufhören Dinge zu sagen, nur, weil man damit jemand verletzten würde. Als würde man Blicke meiden, weil sie einen ärgern könnten. So, als würde man sich aus den Augen verlieren, weil es eben einfach so passiert. Wir verschwinden, aus der Atmosphäre der Wichtigkeiten, schwimmen in Seiten, lauwarmen Gewässern, in denen man sich nicht nur mit Samthandschuhen anfasst, sondern auch mit Schwimmflügeln schwimmt. In denen nur unter Aufsicht und zu bestimmt festgelegten Zeiten geschwommen wird. Nicht aus freien Stücken, sondern aus Gründen von Gewohnheit oder aus purem Zufall.

Ein Albtraum, in dem nichts passiert, den man nicht mal mehr am nächsten Morgen erinnert. Das, was wir immer am meisten Verachteten, das traf ein. Verschwanden in Unsichtbar-, Glanz- und Witzlosigkeit, waren einen Moment unachtsam und wählten die falsche Seite. Die Vorstadt, die gemähten Wiesenflächen, die gehisste Flagge. Verfielen in leidenschaftslosen Patriotismus und bezahlten GEZ. Führten Hunde und Kinder durch die gemähten Wiesenflächen, kauften Häuser und Autos in passenden Farbkombis, lasen Bücher über die guten Seiten von Privatisierung, hatten sichere Jobs die für kontinuierlich steigende Löhne sorgten und waren glücklich. Zumindest dachten wir das.  

Wir verschwanden. In Form von Aufstand und Kampf. Verschwanden im Glauben an den Zufall. An zufällige Ungerechtigkeit. An ein zufälliges Ungleichgewicht. Wir trugen einen Teil dazu bei. Kreierten neue Schubladen, neue Definitionen von Rasse und Macht. Sprachen in Floskeln, sprachen viel, aber sagten rein gar nichts.

Wir verschwanden in seichten Gewässern, still und leise und niemand war da der uns packte und durchschüttelte. Wir wurden unwichtig, wir wurden klein und nichtig.

Wir verschwanden.