Donnerstag, 13. März 2014

ENDZEIT!


"aaaalter, wie geil ist es hier denn Bitte? Ich will hier wohnen!" 
Dieses treffende Zitat eines hippen, Barfuß-laufenden Mädchen mit Hut, die keine Ahnung hatte wie sehr sie mir aus dem Herzen spricht, eben auf dem Markplatz, läutet damit diesen, frisch gebackenen, Liebeserklärung-an-Marburg sowie Abschluss-Post der (quasi) dreiteiligen Serie How to study in Marburg (hier noch mal zu lesen!) ein. Und ab geht's! 


How to study (a looong time - maybe forever) in Marburg:


- jeder den du kennst, weiß es heißt MARBOSCH!

- Wochenende? Wochentags? Keine Ahnung was das ist. für dich gibt es nur Tag und Nacht! Schlafen kannst du quasi immer… vom Hörensagen weißt du aber, dass du tatsächlich mal irgendwann morgens um sieben aufgestanden bist um in die Uni zu traben. 

- so bald du dann doch irgendwann aufgewacht bist, freue dich auf dein Mensaessen! 

- Uni? Manchmal vergisst du was du eigentlich studierst… welches Semester? ähhh.. wieviel Jahre? ähhm… irgendwas... jedenfalls hast du deine Bachi schon abgegeben! Das war erst - Irgendwann neulich! 

- Und was machst du jetzt? Ich schreibe Blogeinträge über how long i studied in Marbosch! 

- wenn du schlechte Laune hast, erinnerst du dich besser daran, dass in deinem Zeugnis steht, dass du überdurchschnittliche gute Statistik-Kentnisse hast. 

- Denk außerdem daran, die härteste Zeit deines Lebens ist definitiv nicht heute! 

- Du erinnerst dich dunkel, es gab mal sowas wie einen Mensa-Stammtisch… Darüber kannst du heute nur Lachen! Wenn du einen eingequetschten Eckplatz irgendwo bekommt und deine Beilagen nach tausend Jahren anstehen noch warm sind bist du glücklich wie ein Honigkuchenpferd! 

- Freue dich noch übertriebener (als sowieso schon) über jede überbutterte Brokkoli-Beilage und jedes Spezial-Wild-Angebot (besonders Hirsch!)

- Verwechsele andauernd Mensa und BiB, BiB und Mensa 

- auf dem Weg zur Mensa oder BiB oder auf dem Weg zwischen Mensa und BiB triffst du durchschnittlich zwanzigtausend Menschen die du mit Handschlag begrüßt

- für den Weg  zur Mensa oder BiB oder für den Weg zwischen Mensa und BiB brauchst du deshalb durchschnittlich zwanzigtausend Minuten

- Zur Mensa, äh BiB! hast du ein ambivalentes Verhältnis. Einerseits hasst du den stinke Schuppen zwischen Autobahn und Bahnschienen, anderseits war dies lange deine zweite Heimat. Du hattest nicht nur eine innige Beziehung zu diversen Kaffee-ähnlichen-Automaten, sondern auch immer Gesellschaft, diverse absurde Momente und hast ihr den liebevollen Namen Bespaßungszentrale verpasst! 

- Sudhaus? Das letzte Mal einen Platz hast du da eventuell im vierten Semester bekommen… 

- Trotzdem lieber noch mal dort vorbei gucken (Ahne, is echt voll!), dann ins Frazz (ne is auch voll!), dann ins Deli (och manno) und am Ende doch wieder einen Schlenker zurück in die Schlucke (ach schön, is ja quasi leer hier!) 

- Facebook hat deine Nummer und ruft dich ab und zu an um zu fragen was so geht…

- Mach dir keine Gedanken wie du betrunken nach Hause kommst - die Oberstadt fängt dich notfalls auf und führt dich sicher nach Hause! 

- Grüße dabei stets freundlich Waschbären und Co 

- Höhenunterschiede? in Marburg? Seltsam, du läuft immer nur geradeaus… 

- wenn du dich jedoch richtig fertig machen willst läufst du ins Physikum und gehst, während du dir die Seele aus dem Leib schwitzt und lautlos alle Songs deines I-pod mitsingst, noch mal die wichtigsten Argumente deiner Bachi durch (vor allem die Kapitel 2- 3 zu Gesundheits- Fitness- und Schönheitswahn!) 

- beschwere dich daraufhin öffentlich und lautstark über den aktuellen Gesundheits- Fitness- und Schönheitswahn

- und deinen Muskelkater. 

- so richtig krank wirst du eigentlich nur noch in der Zeit zwischen Weihnachten und Silvester (den Rest des Jahres denkst du aber trotzdem andauernd, dass du durch irgendwas Schlimmes jeden Moment verrecken könntest, weshalb du täglich deine Mandel abtastet und jedes Mal von Neuem beschließt, endlich dem aktuellen Gesundheitswahn zu folgen!) 

- stattdessen iss lieber nen Löffel Honig vorm zu Bett gehen.

- Träume davon wie du plötzlich die Stadt verlässt um nach Dortmund zu ziehen! 

- wache verstört auf und denke dir nur "WHAT THE FUCK?"


__________________

Marbosch in Endzeit-Stimmung. 


Montag, 10. März 2014

Frühlingsbeats




Die Sonne scheint warm in mein Gesicht, während Menschen immer wieder über eine unnütze Stufe stolpern. Sie fallen ein Stück ins Leere, ich lächele. Nicht wegen ihnen, sondern weil heute alles perfekt und alles andere egal ist. Perfektes Wetter, perfekter Kaffee, perfektes Weizen, perfekte Menschen. Tage wie diese gehören in ein Album gerahmt und an die Wand gehängt. Mit dem Geruch von wachsendem Grass, rauchenden Grills irgendwo in der Ferne und spritziger Zitronenlimonade. Mit dem Gefühl von Sonnenstrahlen die mein Gesicht erhitzen und dem wohligen Gefühl von Frühling, von Aufwachen aus einem Winterschlaf. Dem Vogel zwitschern, dem Klacken von flanierenden Menschen, von lachenden, glücklich und gerade erwachten Menschen die über eine unsinnige Stufe fallen. Von Ohrwürmern in meinem Kopf, die ich hin und wieder mitsumme und die niemand versteht. Von Musikfetzen die aus Autos tönen, kreischenden Kinder und bellenden Hunde, die das perfekte Bild keineswegs zerstören können. Der Geschmack von warmen Kaffee und kühlem Bier das bitter auf der Zuge bitzelt. Menschen halten Hände, lesen Bücher und sind unerwartet freundlich. Selbst wenn sie fallen lächeln, selbst wenn sie arbeiten, scherzen sie. Die Welt ist nicht wieder zu erkennen, scheint für einen Moment keine schlechte Gedanken zu kennen. Das ist fast ein wenig irritierend, gibt dem perfekten Bild, aber die nötige Spur Realitätsinn. Bei einer Spur darf es heute bleiben, während in meinem Kopf der Frühlingsbeat weiter brummt und ich innerlich mittanze.


Damit dieses Blog ein bisschen interaktiver, prickelnder und natürlich lehrreicher wird, präsentiere ich - abschließend des Sonntagsposts - als quasi angehende Musikspezialistin - meine drei persönlichen Frühlingsbeats mit übelsten Ohrwurm-Qualitäten, ziemlich cool editiert, gesammelt, remasterd und so weiter und so fort… (wie ihr merkt, ich arbeite noch an einem möglichst stilistisch herausragenden, Profi Musik-Wortschatz) Am schönsten zu hören; draußen, auf der geblümten Picknickdecke und trashigen, knallroten Kopfhörern:

Disclosure natürlich, old school classic Fleetwood Mac und The XX! 



Sonntag, 16. Februar 2014

(von) Sinne!



(1) 
Der Zug der vorbei rauscht ist so laut das alles andere einfach verstummen muss. Einige versuchen noch dagegen anzuschreien, aber müssen sich nach ein paar wenigen Wortfetzen geschlagen geben. Man steht nur daneben und wundert sich, während sich die Armhaare zu Berge stehen. Zack – Zack – Zack. Der Zug rattert über die Gleise. Der Wind der dabei entsteht, föhnt kalt durch mein Haar. Der Ton ist schrill und doch irgendwie dumpf und löst manchmal fast so etwas wie einen Migräneanfall bei mir aus. Zumindest aber einen waschechten Tinitus. Danach fühlt man sich so wie betäubt oder überfahren, oder erst betäubt und dann überfahren. Nach ein paar Sekunden ratloses Schweigen nehmen die zuvor geschwätzigen Leute langsam wieder ihre angefangenen Gespräche auf. Sie reden, aber ich höre nur bla – bla – bla. Kein Wort, nur Stimmen. Irgendwo schreit ein Kind, irgendwo bellt ein Hund, ein Lautsprecher brüllt im monoton- gelangweiltem Durchsage-Ton irgendwelche Sätze in ein knatterndes Mikro. Auf meiner Haut bildet sich Gänsehaut, auf meinen Schläfen brummt es, als spiele dort ein wild gewordener Presslufthammer verrückt oder als wäre eine verstimmt Geige entgleist. Meine Ohren fiepen in einem mechanischem Ton der einem vermittelt ‚irgendwas funktioniert nicht mehr’, während ich versuche mich langsam vom einem weiteren traumatischen Zugerlebnis zu erholen



(2) 
Die Farbe des Kaffees ist Haselnussbraun. ¼ kalte Halbfett-Milch ergänzen den perfekten Geschmack von ¾ frisch gebrühtem, heißem Espresso. Es riecht gemütlich, nach vertrauter Heimat und fremder Ferne. Nach Ankommen und Wegwollen. Überall sein, Zuhause sein. Es wärmt die Hände, den Hals, es macht ein wohliges Gefühl im Bauch. Man trinkt zusammen, in Gemeinschaft, mit Gleichgesinnten. Oder allein, bewusst und zwischen Tür und Angel. In Häusern, in Cafés oder Draußen, auf Stühlen, Bänken und Boden. In Gedanken, mit Sonne im Nacken oder windigem Pony. In Kombination mit Kuchen oder Kippe, zu Aufheiterung oder zum Wachwerden. Vor dem Schlafen, nach dem Essen, dazu, als Ersatz. Am Ende bleibt ¼ des flüssigen Glücks übrig. Die Zeit des Genießens dauerte nicht länger als zehn Minuten. Dann ist auch der perfekte Espresso mit Milch kalt, eklig und irgendwie immer einen Tick zu milchig. 


_________________

An diesem falschen Aprilsonntag mal eine Portion (versuchtes Sinnes-) Kopfkino. Voilà! 

Montag, 3. Februar 2014

Immer dieses Leid



Immer diese Floskeln. Immer diese Sprichwörter. Wenn nicht heute, dann nicht morgen. Möglichkeiten, Wege, postmodernes Leid, überall wo man nur hinschaut. Immer dieses Hüpfen, dieses Laufen, dieses von dort ins hier und über den Milchteich zurück in die Sphäre der Verdammnis. Wenn man sich nur verlieren könnte, wenn man nur kein postmoderner Scherzkeks wäre, der sich gerade wissenschaftlich damit auseinander gesetzt hätte, dann würde man auch nicht so oft über dich stolpern. Jetzt ist es zwar noch nicht zu spät, aber trotzdem liegst du angeregt da und verzweifelst nahezu unsichtbar. Keine Hand wird aus deinem Grab wachsen, kein Huhn wird gerupft sein. Ratlose Wolken spenden dir Schatten, du aber badet in der Mitleidscrisis. Du denkst, man würde dir schon nicht den Atem nehmen und auch nicht von lebendigem Begraben sprechen. Aber einiges scheint es geben zu können, was vielleicht schlimmer sein sollte. Nix genaues hat man gesagt und nur euphorisch die Augenbrauen gezupft. Man kann es sich nicht vorstellen, wie es sich anfühlt, also man kann nur ablehnen. Geatmet wird, wenn auch kratzig, einfach weiter. Vielleicht verreckt man dabei an Luftverpestung und Schadstoffbekämpfungsmitteln, aber nicht daran. Hätte, wäre, wird man nicht erfahren. Der Hase, der Igel – wen interessiert das. Trotzdem fühlt es sich an wie einen Liter kalten Kaffee mit Muskatnussgeschmack zu schlürfen, dabei rückwärts zu gehen und vorwärts zu zählen. Wie einer der verwirrten Sprichwörter, völlig unkorrekt und unabgeschlossen. Draußen stürmt es und nichts hindert einen daran wegzufliegen. Die Luft riecht dabei nach einem Hauch von Allem und es könnte so einfach sein. Arme von sich strecken und los geht die wilde Fahrt. Blau – Ungewiss – Machbar. Aber das was man kennt, ist einem lieb. Man isst lieber vom selben Teller. Da ist es so schön kalt. Gewöhnliche Machtverhältnisse, gemachte Wäsche und ein altes Nest. Man stellt sich nicht, sondern verrennt sich. Über steinige Wege, mit ganz viel Butterbrot im Gepäck. Und Steinen in den Schuhen und Klößen im Hals. Gebrochenen Zehnen und Herzen an der falschen Stelle. Stress steht in den Sternen, aber auch auf deiner Stirn. Dein Magen versucht sich noch zu wehren, aber man kennt das ja. Es ist solange Nichts, bis man darüber stolpert. Rückwärts fällt. Einen Purzelbaum schlägt und gegen einen Baum knallt. Der Tag des Erwachens, die Woche die du zwar wolltest, aber jetzt lieber verbannen willst, der Monat, das Jahr, dass süße Nichts, das auf dich wartet. Mit offenen Armen verjagt. Du aufwachst und die Kotze nach kaltem Kaffee und Muskatnuss stinkt, aber du trotzdem nicht weg fliegen kannst. 


______
Glory Bachi-Days are over. Verwirr- und Lochness written all over my face. Now what?

Donnerstag, 16. Januar 2014

Rückstellknopf




Reset. Ich drücke den Reset-Button. Mit dem Gefühl noch mal neu anzufangen wache ich auf. Neustart, Laden, Beginnen. Trinke einen Liter Kaffee, halte mich mit Club Mate gerade und wachsam. Tänzele umher wie ein verloren gegangener Flummi. In einem Zustand der einem Traum gleicht und in dem die Sinne eingeschränkt sind verbleibe ich. Ich höre so etwas wie ein durchgängiges Rauschen. Ein Denkdilirium in dem alle Andere nur Projektionen der eigenen Spinnerein sind. Und man jeden Moment erwachen könnte. Aber weiter schläft. Wie ein Schildkröte im Gefrierfach, wie ein Mensch der in einem Traum gefangen ist. Ein Neustart schließt keine Wiederholungen aus. Schließt nicht aus dass man läd und läd und nur noch mit Warten beschäftigt ist. Schließt nicht aus dass man die selben Dinge sagt, dass man die Antworten bekommt die immer folgen wenn man wilde Vorahnungen hat. Wir laufen in Kreisen, aber nach Vorne. Wir halten Abstand, aber wir halten daran fest. Reset. Stehen auf und rennen irgendwohin, irgendwo wo es Vielversprechend und leer ist. Wo man Platz hat sich auszutoben. Wo man Neues findet und Altes vergisst. Wo man nicht im Takt tippt und lauwarmen Zucker trinkt. Reset. Ich finde einen Ort wo ich lieber wäre. Den Ort wo man verträumt im Kreis läuft aber es für richtig hält. Für Ausdauersport, zum Auspowern und Abreagieren. Schöner als reale Orte je sein könnten. Schöner als traumhafte Orte je sein werden. Wo es kaum ratlose Projektionen gibt. Die nicht reagieren wie man es für richtig hält. Wo man nie weiß ob man jeden Moment aufwachen könnte, aber immer weiter Takt tippt und denkt es gäbe einen Reset-Button. Einen Rückstellknopf der Alles ändert. 



Welcome to the Tipp-Delium - welcome to the Bachi-Abschlussphase. 

Donnerstag, 2. Januar 2014

living in a aquarium/ or elsewhere.




* Die Luft hier oben ist dünn. Die Auswahl an Themen gering. Auf dem Weg liegt nicht viel rum, außer ein paar zertretenden Scherben und ein paar verirrten Pennern.  Man hatte mir gesagt, dass es nicht einfach werden würde. Zwischen all den Chaoten und mit all dem Gepäck im Rucksack. Aber ich vergaß das es einem die Luft neben könnte. Ich vergaß dass es einen das Rückrad brechen konnte. Sie gaben mir Kanister mit Sauerstoff, Pflaster und Schnaps, aber sie vergaßen mir das Programmheft mitzugeben. Sie vergaßen dass ich mich hier oben einsam fühlen und ins Grübeln kommen könnte. Sie vergaßen dass ich eine Person ohne Superkräfte war, die fällt wenn man sie schubst. Ich habe das auch vergessen. Es gibt hier Spielkameraden die nicht spielen wollen und Menschen die keine Kameraden sind. Es gibt Liebe in Tüten und Spaß im Päckchen. Das alles zu Genüge. Die Häuser sind passierlich, die Straßen wohnlich. Die Felder sehen aus wie kleine Schwimmbecken, die Menschen gleichen Playmobilfiguren. Sie winken ständig und schweigen meistens. Man spricht von Leben in Zuckerwatte auf allen sieben Wolken, ich aber halte es eher für ein großes Aquarium. Manchmal laufe ich gegen die Glaswände und stoße mir den Kopf, manchmal zwinkern mir ein paar Goldfischen zu. Alles macht hier Sinn, alles ist hier schön bunt, aber irgendwas fehlt trotzdem. 

„zwischen den Jahren"



Die Zeit „zwischen den Jahren“ ist eine Zeit die es eigentlich gar nicht geben bräuchte. Sie ist so unrelevant wie Bleigießen, Dinner for One oder Knallerbsen und doch kommt sie jedes Jahr wieder, oder auch nicht, den eigentlich ist "zwischen den Jahren" eine völlig existenzlose Zeit. Eine Zeit in der scheinbar niemand arbeiten muss, Bibliotheken schon um 18uhr schließen, Züge und Busse nicht fahren - und das niemand stört! „Zwischen den Jahren“ ist für manche eine Spalte in der man schnell versinkt, sich um nix schert und die ganze Zeit Tatort guckt. Für andere eine Wort das beflügelt. Manchmal ein dehnbarer Begriff (Manche behaupten ja „zwischen den Jahren“ dauere so lange wie die Ferien!), manchmal einfach nur zum Kopf schütteln (logischerweise zählt alles bis zum 31. Dezember noch zum gleichen Jahr!). Und für die Meisten eine lächerliche aber hingenommene Sache. Niemand scheint sich am widerwärtigsten Begriff überhaupt zu stören! Für mich allerdings ist zwischen den Jahren der Inbegriff des Teufels. In dieser kurzen Zeit von Weihnachtsnachkriegszeit bis Silvesters schlimmer Vorahnungen schalten sich bei mir alle im gesamten Jahr funktionierenden Fähigkeiten (sagen wir zu 50% funktionierenden Fähigkeiten) einfach aus. Größter Feind der Vernichtung - der eigene Körper - oder um es soziologisch noch griffiger zu fassen: mein Leib-sein! Mein Innerstes, meine Energie-Versorgungsstation. Man kann die Uhr danach stellen, spätestens am 26. Dezember jedes Jahres hat mein Leib einfach kein Bock mehr und fährt in den „Zwischenjahres-Urlaub“ nach Teneriffa. Meinen armseligen Körper lässt er im post-weihnachtlichen Regen stehen. Daraufhin fühlen sich Viren und Bakterien nirgends so gut aufgehoben als bei ihm. Spielen gegenseitig Fangen und ruhen sich ab und zu an irgendwelchen besonders wohligen Stellen aus. Am Liebsten im Hals, in der Nase oder den Ohren. Oder einfach überall. Die Haut tut bei jeder Berührung weh, der Kopf schmerzt und der allgemeine Zustand schwankt zwischen fiebrigen Halluzinationen und einfach nur schlafend. Die Viren-Bakterien-Freude kennt keine Grenzen – den schließlich ist ja „zwischen den Jahren“. Kein Arzt, kaum Apotheken haben auf und auch sonst hat man als kleiner dummer Mensch nichts Besseres zu tun, als die Zeit die eh keiner nutzt krank und fiebrig im Bett zu verbringen. Man hatte sich ja nicht vorgenommen „zwischen den Jahren“ besonders produktiv zu sein. Ich schon. Denn was gibt es Besseres als eine nutzlose Zeit zu nutzen. Aber das widerspricht dem Konzept von „zwischen den Jahren“. Dieses besagt, dass in dieser lächerlichen Zeit nix Vernünftiges passieren darf. Und das gilt dann für alle! Und die, die sich nicht beugen, werden bestraft! So wie ich. Dabei hätte ich einfach nur auf die Statistik hören sollen. Mindestens neunundneunzig Prozent aller existenzlosen Zeiten enden damit, dass nichts was innerhalb dieser passiert, funktioniert. 


- Mandelenzündung vs. Bachi - eine Schlacht die noch nicht geschlagen ist!